Erster Rundbrief aus Bolivien

Erster Rundbrief aus Bolivien

Oder auch „25 Grad – wo ist mein Pullover?“

Bolivien1Mittlerweile ist es schon fast eine Woche her, dass wir unsere Koffer fertig gepackt und uns auf den Weg nach Santa Cruz gemacht haben. Auf einen Weg, der uns, gemeinsam mit den Steylern, in ein für uns fremdes Land mit einer fremden Kultur führen sollte.

Wir, das sind – für alle, die es noch nicht wissen – meine Mitfreiwillige Elli aus Ellingen in Mittelfranken und ich.

Mit ein bisschen Verspätung kamen wir also am Freitagmorgen am Flughafen von Santa Cruz an, wo wir von Janko abgeholt und in das Haus der Steyler hier gebracht wurden. (Janko ist offiziell unser Mentor, er nimmt sich aber jede Menge Zeit für uns und gibt sich wirklich Mühe uns möglichst viel zu zeigen, unsere Fragen zu beantworten und in jeder Angelegenheit für uns da zu sein.)

Bolivien2Nach einem kurzen, superleckeren Frühstück und ein wenig Einrichten in unserem Zimmer hieß es aber erneut: Koffer packen!!!

Am späten Nachmittag sollte es für uns nämlich direkt weiter gehen nach El Alto. Eigentlich waren wir von der Idee nicht wirklich überzeugt, uns nach der anstrengenden Reise direkt wieder 20 Stunden in den Bus zu setzen. Aber was blieb uns? Ein Visum beantragt sich schließlich auch nicht von allein! Gemeinsam mit Janko und einer weiteren Freiwilligen aus Polen machten wir uns also auf den Weg – durch die sandigen Straßen der größten Stadt Boliviens bis ins Hochland auf über 4000 Meter.

Elli und ich hatten was die Reise betraf wirklich mit dem Schlimmsten gerechnet. Warm, stickig und eng wie unsere Reisebusse nunmal sind, hielt sich die Vorfreude für die kommenden 20 Stunden wirklich in Grenzen. Als wir dann hörten, dass es in den Bussen immer Dreierreihen gab, rannte das letzte bisschen Hoffnung auf Schlaf in dieser Nacht laut schreiend davon.

Bolivien3Umso größer war dann die Erleichterung, als wir den ersten Blick auf unsere Sitzplätze werfen konnten. Es gab immer nur drei Sitze in jeder Reihe, zwei auf der rechten Seite und einen Einzelnen auf der linken (eines von vielen lustigen Missverständnissen der letzten Tage). Der Platz, an dem auch bei der Größe des Gangs gespart wird, kann deshalb voll und ganz in die Sitze, oder besser gesagt Sessel, investiert werden. Die sind nämlich echt super gemütlich und haben sogar eine Ablage für die Füße, sodass man im Bus wirklich fast liegen kann. Zusätzlich sind in dieser Art Reisebusse auch nur ca. 30 Sitze. Man braucht also nicht mal warten bis der Hintermann eingeschlafen ist, um heimlich seine Lehne ein Stück nach hinten zu verstellen, sondern kann das direkt am Anfang der Fahrt machen – jeder hat ja genug Platz.

Nach einer Fahrt, die dank einem geplatzten Reifen doch etwas länger dauerte als gedacht, und auf der wir lernten, dass 25 Grad verdammt kalt sein können, kamen wir dann völlig erschöpft in El Alto an. Auch hier konnten wir wieder in einer Steyler Kommunität unterkommen.

Bolivien4Am Abend schauten wir uns dann noch La Paz an, bevor wir um kurz vor acht – dank Jetlag, Höhenkrankheit und zwei langen Reisen – total erschöpft in unser Bett mit sieben Wolldecken fielen.

Und die sieben Wolldecken braucht man auch, wenn nicht noch mehr. Gerade weil es hier in den Häusern meist viel kälter ist als draußen, da draußen ja die Sonne scheint. Und obwohl wir in diesen Tagen wirklich oft gefroren haben, fühlten wir uns über Tag zumindest draußen recht wohl, das kommt nämlich einem ersten schönen Frühlingstag in Deutschland nahe, an dem man auch mal die Jacke zu Hause lassen kann. Hier merkt man ganz besonders, dass die Bolivianer anderes gewöhnt sind, die sieht man im Hochland nämlich meistens mit dicken Pullis und Winterjacken.

Den nächsten Tag konnten wir dann etwas ruhiger angehen lassen, bevor wir am Montag gemeinsam mit vier weiteren MaZlern sämtliche Visumsangelegenheiten regeln mussten.

Zum Glück hat dabei bei uns aber alles bestens funktioniert.

Diese ersten Tage waren, um unserem in den Seminaren gegebenen Namen „Mega-MaZ“ gerecht zu werden, einfach mega! Wir haben viel über Land und Leute gelernt, da Janko auch ein top Reise- und Städteführer ist, haben viele nette Leute kennen gelernt und sind überall herzlich aufgenommen worden.

Bolivien5Insgesamt war unsere Reise nach La Paz und El Alto einfach unglaublich aufregend und unser Stofftier-Einhorn Philipp war natürlich auch immer mit von der Partie und hat für einige Lacher und jede Menge Spaß gesorgt.

Nach einer unfallfreien Rückfahrt sind wir jetzt wieder in Santa Cruz angekommen und genießen das schöne Wetter in vollen Zügen. Von angenehmen 30 bis 35 Grad können wir im deutschen Durchschnittssommer schließlich nur träumen.

Nun zählen wir die Stunden, bis wir in die Chiquitania und in unseren Einsatzort San Ignacio de Velasco kommen, wo unser Einsatz dann erst richtig beginnt. Aber vorher heißt es wieder Koffer packen – das letzte Mal vorerst.

Ich freue mich jetzt schon, dann auch möglichst bald von unserem eigentlichen Einsatz und unserem Alltag in Bolivien zu berichten.

Bis dahin y besos de Bolivia

Eure Julia

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.