Neunter Rundbrief aus Bolivien

Neunter Rundbrief aus Bolivien

¡Feliz Cumpleaños FASSIV!

Hallo ihr Lieben!

Mittlerweile sind jetzt schon mehr als 8 Monate meines MaZ-Jahres rum und auch Ostern liegt schon wieder einige Wochen hinter uns. In der Zwischenzeit ist aber wieder Einiges passiert (besonders im FASSIV), von dem ich euch berichten möchte:

In den letzten Wochen ging es in der Fundación Ayuda Social San Ignacio de Velasco (FASSIV), in der ich nach wie vor meine Nachmittage verbringe, drunter und drüber. Es gab viele Besonderheiten und Feiertage zu zelebrieren und zu feiern.

Bolivien36Im März begannen die außergewöhnlichen Tage mit dem Tag der Inklusion und dem Tag des Down Syndroms. An beiden Tagen verbrachten wir die Nachmittage statt im Klassenraum mit allen Kindern auf der großen Plaza in der Stadtmitte.

Am Tag der Inklusion beteiligten sich dabei sogar die Schulen und Kindergärten, die von Kindern oder Jugendlichen mit Behinderung besucht werden. Fast jede Klasse oder Schule hatte dazu große Plakate oder Schilder gebastelt, auf denen Aufrufe zu mehr Inklusion von Kindern und Jugendlichen mit Behinderung im Bildungssystem zu sehen waren.

Bolivien37Gemeinsam wurde dann ein bisschen getanzt oder der Orchestermusik gelauscht und vor allem jede Menge Krach veranstaltet.

Bolivien38Am Tag des Down Syndroms standen natürlich die Kinder mit dieser Behinderung beziehungsweise diese Behinderung generell im Mittelpunkt. Die Lehrerinnen hatten dazu einige Plakate vorbereitet, um allen Passanten (manchen ein bisschen widerwillig) die Entstehung und den Umgang mit Menschen mit dieser Behinderung näher zu bringen. Ganz besonders berührt hat mich dabei ein Kurzfilm, der sich an werdende Mamas, die für ihr Kind die Diagnose Down Syndrom bekommen haben, richtet und in dem Kinder und Jugendliche mit dieser Behinderung erzählen, wieviel sie trotz ihrer Behinderung schaffen und können und wie glücklich sie sind.

Als nächstes war dann am 12. März der Día del niño, also der Kindertag. Der wird hier natürlich, wie jeder Feiertag, groß zelebriert.

Am Montag gab es deshalb schon eine fassivinterne Feier mit allen Schülern und Eltern. Dabei ging es natürlich um die Kinder an sich, die (wie es sich an so einem Feiertag gehört) ein bisschen verwöhnt wurden. Im Mittelpunkt standen aber auch ganz besonders die UNICEF Kinderrechte, die (außer den USA) alle Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen anerkannt haben und sich damit völkerrechtlich dazu verpflichten, für das Wohlergehen ihrer Kinder zu sorgen.

Diese Kinderrechte wurden in 10 Grundrechten festgehalten, die beispielsweise das Recht auf einen Namen und eine Staatsangehörigkeit, das Recht auf Gesundheit, Bildung und Freizeit, das Recht, sich zu informieren, mitzuteilen und gehört zu werden, das Recht auf gewaltfreie Erziehung und das Recht auf elterliche Fürsorge und Schutz vor Grausamkeit, Vernachlässigung und Verfolgung beinhalten und fordern. Darüber gab es sogar ein kleines Lied, zu dem ich gemeinsam mit den Lehrerinnen einen kleinen Tanz einstudiert habe, der natürlich dann auch präsentiert wurde. Zu guter Letzt gab es dann noch für jedes Kind eine Canasta. Das kann man vielleicht ein bisschen mit der Martinstüte bei uns vergleichen. Eine Woche vorher basteln die Lehrerinnen einen Behälter und im Laufe der Woche bringt jedes Elternteil eine Süßigkeit in Kursstärke mit, sodass für jedes Kind eine Tüte mit den verschiedensten Süßigkeiten, die natürlich schon auf dem Nachhauseweg verschlungen werden, und einem Spielzeug zusammenkommt.

Bolivien39Am nächsten Tag ging es dann mit allen anderen Grundschulen auf die Plaza zur großen Feier. Mit viel Musik und einem kleinen Umzug wurde gemeinsam mit Mickey Maus, Donald Duck und Co. Gesungen, über die Kinderrechte geredet ,getanzt und gelacht. Zur Feier des Tages gab es natürlich auch noch einmal eine kleine Canasta, diesmal von der Stadt und für alle Kinder, die da waren.

In dieser Woche wurde dann der 27. Geburtstag des FASSIVs gefeiert. Am Montag begann diese spezielle Woche mit einer Sensibilisation der Eltern. Wie schon im letzten Jahr kamen die Eltern, um in kleinen Spielen gegen die Lehrerinnen anzutreten. Dabei gab es zum Beispiel ein Schubkarrenrennen, Eierlaufen, Sackhüpfen und Apfelwettessen. Entgegen aller Erwatungen gewannen dieses Mal aber die Lehrerinnen mit riesigem Vorspung.

Am Dienstag ging es weiter mit einer Sensibilisation der Kindergärten und deren Lehrer/innen. Es wurden diverse Kindergärten eingeladen, um gemeinsam mit den FASSIV-Kindern im Park zu spielen und unter den Lehrern wurde über Inklusion in der Schule und in Kindergärten geredet und diskutiert.

Am nächsten Tag ging es dann mit allen Kindern zum Friedhof von San Ignacio, um der Gründerin des FASSIVs zu gedenken, die von allen liebevoll Mutti (auf Deutsch) genannt wird und deren Geist und Liebe zu ihrer Arbeit hier immer noch eine große Rolle spielt.

Bolivien40Donnerstag gab es dann den ganzen Tag die große Fiesta. Morgens fand dabei der offizielle Teil statt, mit hochkarätigen Gästen, bei dem ich aber leider nicht dabei sein konnte. Nachmittags hingegen wurde dann mit vielen verschiedenen Tänzen so richtig gefeiert.

Nach einer Woche feiern und vielen Terminen gab es dann am Freitag schulfrei für alle Kurse, um sich von den ganzen Strapazen zu erholen und am Montag wieder frisch in den Schulalltag einzusteigen.

Bolivien41Damit verabschiede ich mich dann auch wieder. Euch allen wünsche ich jetzt ein schönes Wochenende und genießt die ersten richtigen Frühlingstage,

Bis dann,

Eure Julia