Siebter Rundbrief aus Bolivien

Siebter Rundbrief aus Bolivien

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Hallo ihr Lieben,

wie viele von euch schon bemerkt haben, ist seit meinem letzten Rundbrief schon einige Zeit vergangen. Weihnachten, die großen Ferien mit meiner Reise, der Anfang des neuen Schuljahres und bolivianischer Karneval liegen jetzt schon hinter mir.

Erstmal noch ein paar kurze Worte zu Weihnachten (auch wenn man so Mitte März gerade alles andere als Weihnachten im Kopf hat): Eigentlich war es gar nicht so anders als bei uns daheim. Es wird viel gegessen, man geht in die Messe, es gibt kleine Geschenke …

Das einzige, was wirklich anders ist, ist, dass man in kurzer Hose und T-Shirt feiern kann. Auch wenn das dieses Jahr zwar eine coole Erfahrung war, muss ich mir da aber doch eingestehen, dass ich mich nächstes Jahr dann doch wieder darauf freue, mir die frierenden Finger auf dem Weihnachtsmarkt an der Kakaotasse zu wärmen.

Bolivien26Am zweiten Weihnachtstag ging es dann endlich los auf die heiß ersehnte Reise. Unsere drei Wochen lange Route führte uns dabei schon ein Stück durch Bolivien, mit Stopp beim Zwischenseminar und danach bis zu den bekannten Iguazu Wasserfällen im Dreiländereck von Paraguay, Argentinien und Brasilien.

Bolivien27Begonnen haben wir unsere Reise in Cochabamba und Sucre, zwei der Großstädte Boliviens. Nach ein paar Tagen, die wir gebraucht haben, um uns richtig an die Höhe zu gewöhnen (es liegen nämlich so ungefähr alle Städte Boliviens, bis auf Santa Cruz, im Hochland) konnten wir dann die Städte auch richtig genießen und viele tolle Orte besuchen. Zum Beispiel sind wir die gefühlten 10.000 Stufen zum Cristo in Cochabamba hochgestiegen, oder haben viel Zeit auf der Plaza in Sucre, Boliviens Hauptstadt, verbracht.

Bolivien28Nach unserer kleinen Bolivientour ging es dann erstmal ein kleines Stück näher Richtung San Ignacio, nämlich wieder nach Santa Cruz zurück. Dort trafen wir uns mit sechs weiteren MaZlerinnen und unseren zwei Teamern zum Zwischenseminar.

Das Zwischenseminar ist von der Organisation „Weltwärts“ vorgeschrieben und damit auch Pflicht für jeden von uns MaZlern. Hier wird gemeinsam das halbe Jahr, was bis dahin hinter einem liegt, reflektiert und Probleme und Konflikte können angesprochen werden. Das Ganze ist echt eine super Sache, wann bekommt man sonst schon mal die Chance mit Leuten zu reden, die gerade im selben Land mit denselben Problemchen und Kulturdifferenzen zu kämpfen haben?!

Bolivien29Natürlich werden aber nicht nur ernste Themen besprochen, sondern es wird vor allem auch viel gelacht. Sogar ein bisschen Kultur ist dabei! Wir zum Beispiel haben mit unserer Gruppe nämlich eine Inka-Stätte besucht (ja, die gibt es auch in Bolivien!).

Um dann weiter Richtung Iguazu zu kommen, sind wir viele viele Stunden mit dem Reisebus durch ganz Paraguay gefahren; aber es hat sich gelohnt: die Iguazu Wasserfälle sind unglaublich beeindruckend und ein absolutes Muss für jeden, der einmal die Chance bekommt!

Nach so einer langen Reise freut man sich dann aber doch wieder, nach Hause zu kommen, nicht mehr aus dem Rucksack zu leben und nicht alle paar Tage wieder in einem anderen Bett zu schlafen.

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Also ging es Ende Januar wieder zurück in unsere Wahlheimat für ein Jahr: San Ignacio de Velasco.

Hier hatte sich in den paar Wochen, in denen wir unterwegs waren, ganz schön was geändert: mittlerweile wurde nämlich damit begonnen, zumindest einige wichtige und große Straßen zu betonieren und daran wird auch trotz Regenzeit noch fleißig weitergearbeitet. San Ignacio wird damit noch ein bisschen mehr zu einem richtigen kleinen Städtchen.

Mit den Tagen, die ich dann noch alleine in der Casa verbrachte, wuchs dann aber auch die Aufregung: wer von den alten Mädels kommt zurück? Wie viele neue Mädels ziehen ein? Und wie lange wird es dauern, bis alle sich an die neue Situation gewöhnt haben?

Ich muss zugeben, die Fragen klingen ein bisschen wie aus einer schlechten Fernsehsendung. Nichts desto trotz waren das für mich die wichtigsten Fragen, die mir schon die ganze Reise über im Kopf herumschwirrten: es gab nämlich nicht nur in San Ignacio, sondern auch im Internat bedeutende Veränderungen.

Seit diesem Jahr begleitet nämlich nicht mehr Don Hugo die 18 Mädels und mich im Alltag, sondern Doña Trifonia, die zuvor mit den Jungs aus der Casa San José zusammengearbeitet hat. Seit dem herrscht hier geballte Frauenpower – und nach dem ersten gemeinsamen Monat kann ich nur sagen, dass alles in allem gut klappt. Unter den 18 Mädels sind acht neue dabei, die sich alle (manche mehr, manche weniger) schnell eingelebt haben und mittlerweile läuft unser Alltag hier schon wieder echt geregelt und strukturiert ab.

In dem Monat, den ich jetzt schon wieder hier bin, ist aber natürlich auch noch einiges Anderes passiert, zum Beispiel war ja auch noch Karneval.

Bolivien31Wer mich in Deutschland gut kennt, weiß, dass ich in unserem schönen Kaldenkirchen mit dem Karneval groß geworden bin. Sei es das Tanzen, die Prinzenpaare oder die Kinderdisko und Umzüge, bis jetzt ist auch trotz Abiturstress vor einem Jahr noch keine Session vergangen, in der ich karnevalistisch nicht aktiv war.

Gott sei Dank musste ich da dieses Jahr jedoch auch nicht drauf verzichten. Hier in Bolivien wird natürlich auch Karneval gefeiert, wenn auch ganz anders als bei uns zu Hause.

Hier in San Ignacio beginnt der Karneval mit dem Umzug am Samstag. Dabei bekommt man ganz verschiedene Wagen und Gruppen zu sehen: das geht von Superheldenverkleidungen bis hin zu Tanzgruppen, die einen schon fast an Bilder aus Rio de Janeiro erinnern. Das ist zwar eine sehr gewöhnungsbedürftige Mischung, aber sehr interessant.

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Danach wird nur noch gefeiert! Mit viel Musik, Wasser, Matsch und Farbe und bis Dienstagabend. Gerade am letzten Tag wird besonders viel rumgematscht. Egal ob Sonne oder Regen, am Ende ist man sowieso nass und dreckig.

Natürlich wurde das auch in den zwei Internate ausreichend zelebriert: es gab ein großes Grillfest.

Eigentlich war dabei die Wasser/Matschschlacht für NACH dem Essen geplant, aber als die ersten Wasserbomben ausgepackt und befüllt wurden, war es vorbei mit der Zurückhaltung. Die Wasserbomben flogen, die Putzeimer wurden befüllt und über den Köpfen Anderer ausgeleert und der Kräutergarten wurde kurzerhand zum Schlammbad umfunktioniert, in dem auch wirklich jeder landete. Im Karneval sind eben alle gleich, egal ob Priester, Bruder, Internatsleitung, Freiwilliger, Schüler oder ahnungsloser Gast.

In der vergangenen Woche gab es dann auch noch eine gravierende Änderung in den Internaten: Padre Pablo, der bis dahin für die Koordination der Internate von Steyler Seite aus verantwortlich war, wurde versetzt und betreut jetzt zwei Internate im Departamento Cochabamba. Natürlich wurde er in den Casas auch gebührend mit selbstgemachter Pizza, Soda und einem Tanzabend verabschiedet. Ab jetzt begleitet dann Hermano (Bruder) Josimar die Internate.

Bolivien34Für alle, denen es eben noch nicht beim Lesen aufgefallen ist, ja, mittlerweile ist schon ein halbes Jahr vergangen, seitdem wir den großen Schritt nach Bolivien gewagt haben, sogar noch mehr: es bleiben nun schon nur noch weniger als fünf Monate, bis ich wieder im Flieger nach Deutschland und ins gute, alte Kaldenkirchen sitze. Aber ich kann mit voller Überzeugung sagen, dass ich hier mein Herzensland gefunden hab, in dem ich mich immer noch super wohl fühle! Ich genieß jetzt erstmal ein bisschen die ereignislosen Tage bis Ostern und den fast schon ruhigen Alltag und werde mich dann bestimmt nach Ostern mal wieder melden.

Bis dahin, besos de bolivia,

Eure Julia

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