Archiv der Kategorie: Kirchenjahr

Ostermontags-Emmaus-Gang

frei nach Lk 24, 13 – 35

Dann ist da ja auch noch der Ostermontag. Der gehört dazu, zum Osterfest. Den dürfen wir nicht vergessen mit dieser wundervollen, tausendfältigen „Emmaus-Geschichte“. Wenn der Evangelist Lukas den Weg nach Emmaus nicht damals schon erzählt hätte, sie könnte so oft das Leben von Christen darstellen. Und gerade heute, in diesem Jahr 2020, Ostern 2020 mit all dem Leid, den Ängsten, der Verwirrung, den Fragen dieser „Corona-Tage“ müsste sie aufgeschrieben werden.

Ich glaube, jedem von uns geht all das nahe, sehr nahe. Jeder hat die Entwicklungen, die Zahlen, die Verordnungen, den ganzen Schlamassel von Corona und seine Folgen zu verdauen. Und jeder ist mehr oder weniger damit allein gelassen. Alle Nachrichten, alle „Corona-Ticker“, und Talk-Show-Talks, Experten- und Wissenschaftsverlautbarungen bringen kaum Klarheit, machen noch verrückter, schaffen Zweifel, aber bringen keine Antworten oder Beruhigung.

So ist jeder unterwegs, allein, allein gelassen mit all dem, was einem so durch den Kopf geht, vielleicht, hoffentlich noch mit einem Freund/ einer Freundin, einem vertrauten Menschen. Auf diesem Weg wird gequatscht, diskutiert, erzählt, beruhigt und wieder nervös gemacht. „Zur Ruhe kommen“ ist anders.

In der gleichen Lage sind die beiden Jünger. Alles war ihnen zu viel geworden. Auch wollten sie sich nicht einschließen wie die anderen Freunde. Sie hatten das Gerede, die Angst, die Hoffnungslosigkeit und die Gerüchte satt. Ihr Entschluss: Ab nach Hause! Ende der Sendung! Weg von allem! Abstand!

Zu Hause könnte man ja weiter machen, wie früher. Daran wollten sie sich festhalten. Schließlich muss man doch einsehen, wenn man auf das falsche Pferd gesetzt hat!

Doch so ganz fertig waren sie mit ihrem Jesus-Abenteuer wohl noch nicht. Da gab es schon noch einiges nach zu karten. Ihr Weg nach Haus, nach Emmaus, war eine einzige Erinnerung, vielleicht sogar Abrechnung mit dem, was passiert ist.

Wer kann all das Corona-Gerede noch hören? Am liebsten würde doch jeder von uns gerne sagen: „Genug!“ „Es reicht!“ „Schluss damit!“ Und noch lieber wäre es uns, wenn es jetzt endlich weiter geht, voran, alles zurück auf Normalität, die jeder gewohnt ist. Alles soll wieder so sein, wie es war, wie jeder es kennt. Auch wenn nicht alles Gold war, was da glänzte noch vor ein paar Wochen, – eigentlich lag und liegt ja schon ´ne ganze Menge im Argen, wie wir jetzt merken, – aber es war doch gut. Wir haben bis heute doch so viel. Wir konnten doch alles Mögliche! Die ganze Welt stand uns offen. Und jetzt? Wann geht es weiter? Wo geht’s hin? Wer kann was sagen? Wer hilft? Wer sagt mir was, wo, wie, wann …….. ??????

Da kommt dieser Fremde schon recht. Der hat was drauf! Kann vieles erklären! Aufklären! Er spricht so interessant, so mit Kraft, dass man ihm immer weiter zuhören kann. Und langsam ändert sich die Stimmung. Die beiden Wanderer können nicht genug von ihm erfahren. Sie hören auf ihn. Sie laden ihn ein. Und das Wunder nimmt seinen Lauf!!

Sie öffnen dem Fremden ihre Tür. Er öffnet ihnen die Augen und ihre Herzen. Das gemeinsame Mahl führt sie endgültig zurück ins Leben, zurück auf ihren Weg, den sie mit ihrem Freund Jesus eingeschlagen hatten. Für ihn brennt immer noch ihr Herz. So kann er zu ihnen zurückkehren. Und sie können zurückkehren zu ihren Freunden mit der frohen Botschaft: „Wir haben den Herrn gesehen!“ Wir haben mit ihm gesprochen, gegessen. „Er ist nicht tot! Er lebt!“ In diesem Augenblick beginnt sie, die Geschichte, der Weg der Christen. Bis heute wird er gegangen, hält an, weil so viele mit brennenden Herzen unterwegs sind, mal in die eine und mal in die andere Richtung.

Dieses Wunder, das uns alle wieder ins Leben hinein führt, das brauchen wir auch heute, genau in diesen Tagen von Ostern 2020, jeder Einzelne, unsere gesamte Gesellschaft, die Menschen in so vielen Ländern. Zurück in eine Normalität, die keine Rücksicht auf Verluste genommen hat, wird keine Option sein. Das spürt jeder. Eigentlich weiß das jeder.

Genauso „eigentlich“ kennen wir alle die Alternative zu dem „alten“, so destruktiven Leben, dem Weg, der sich in diesen Tagen als so fatal erweist. Unser aller neuer Weg muss ein Weg von Freundschaft und Frieden, von wahrhafter, wirklicher Freiheit und Gerechtigkeit sein, für jeden und für alle, ein Miteinander in allem, was wir sind, können und haben. Dafür sollte, müsste unser Herz brennen. Und das ist nichts anderes wie der Weg der Emmaus-Jünger, der Weg des Wunders der Auferstehung aus aller Not und Bedrängnis. So schaffen wir das als Freunde und Freundinnen, genauso! So ist Jesus bei uns, sehr lebendig!     

(BM 09.04.2020)

Junge Kirche: Ein Teil des großen Ganzen

Gebt Acht und bleibt wach! Denn ihr wisst nicht, wann die Zeit da ist (Mk 13, 33).

Über Nacht wurde die Einöde zur blühenden Wiese. Wie konnte das passieren?

Es ist ein Geheimnis. Das Ostergeheimnis.

Aus Tod wird Leben.

 

Habt ihr eure Blume entdeckt?

Eure Blume ist jetzt Teil der Wiese.

Ein Teil des großen Ganzen.

 

Ich verweile noch ein bisschen hier in der summenden Vielfalt. Und spüre dem nach, was geschehen ist. Versuche es zu greifen. Ich blicke zum Kreuz hoch und denke: „Wenn ich mich umschaue und sehe, wie aus dem toten Stein die blühende Wiese wurde, dann kann es nicht anders sein: Du bist wirklich auferstanden!“

Junge Kirche: Heute steht alles still

Auch heute könnt ihr mir noch eine Blume schicken!
Gemeinsam gegen Trostlosigkeit!

Per E-Mail an junge.kirche@stclemens-kaldenkirchen.de.

 

Heute ist der Tag „dazwischen“.

Morgen ist Ostern. Heute ist … ?

Eben der Tag „dazwischen“.

 

Heute steht alles still. Jesus ist tot. Die Welt hält den Atem an.

Was passiert jetzt?

Kann dies ein Neuanfang sein?

 

Bald wird alles ein Ende haben. – Und dann beginnen wir wieder von vorn.

Genauso wie vorher? Die einen sagen: Ja, jetzt kann ich wieder weiter machen. Termine, Termine, Termine. Weiter machen. In Null Komma Nichts ist der Kalender wieder voll. Klar, das ist schön, man kann wieder Freunde treffen, man kann wieder zum Sport, ins Restaurant … alles geht wieder. Damit ist alles wieder wie vorher.

Bald wird alles ein Ende haben. – Und dann beginnen wir wieder von vorn.

Die einen sagen: Genau so wie vorher!

Ich frage: Vielleicht anders?

Vielleicht mit tiefer Gelassenheit. Vielleicht mit diesem Gefühl der Entschleunigung. Mit einer inneren Ruhe.

Angekommen. Bei mir selbst.

 

Ich lausche mit gespitzten Ohren. Ich sehe mit offenen Augen. Ich fühle die Welt um mich herum. Ich bin weiter auf der Suche.

Dann spüre ich auch das, was eigentlich immer schon da war. Dann sehe ich seine Spuren auf unseren Menschenstraßen. Dann bin ich ganz nah bei dem, der gestorben ist.

Für die Menschheit. Das heißt: Auch für mich.

(Danke an denjenigen, der mir dieses Foto geschickt hat!)

 

Geopfert für die Menschheit.

Damit ich es erleben darf. Damit ich sehe: Es ist nicht vorbei.

Es ist nicht zu Ende. Kann es ein Neuanfang sein?

 

Die Welt steht still.

Ich warte.

Ich suche.

Ich bin da. Du auch?

Osterwunsch: „Der Friede sei mit Euch!“

„Siehe, der König kommt zu Dir, er ist friedfertig.“ (Mt 21, 5) So habe ich diese Bibelstelle heute Morgen bei einer Fernsehübertragung gehört. Das ist eine Prophetie aus dem Alten Testament, die Matthäus auf Jesus bezieht. Dieser friedfertige König wird an diesem Tag, der heute unser Palmsonntag ist, von seinen Jüngern und vielen anderen Pilgern bei seiner Ankunft in Jerusalem gefeiert, bejubelt wie der große Star, die Hoffnung, wie der allseits erwartete Messias. Eine Woche später tritt der friedfertige König bei / durch die verschlossenen, verrammelten Türen in den Kreis seiner verängstigten Jünger und spricht ihnen seine ersten Worte zu: „Der Friede sei mit euch!“

In den Tagen, die zwischen diesen beiden Sonntagen des Friedens liegen, hat der friedfertige König seine Friedfertigkeit bitter büßen müssen, dafür mit seinem Leben bezahlt. Seinem Königreich des Friedens, dass auf Friedfertigkeit und Sanftmut, auf Freiheit, Gerechtigkeit und Wahrheit aufgebaut sein will, geht es nicht um Kampf und Eroberung mit einer waffenstarrenden Streitmacht. Jesus weiß, wenn er der „Messias“ sein soll, dann geht das nicht über Krieg und gewalttätige Auseinandersetzung. Obwohl das für uns normale Menschen kaum nachvollziehbar, kaum zu verstehen ist, hält Jesus seine Friedfertigkeit bis zum Tod durch, bis ins Grab. Es hat den Anschein: Die Gewalt, die Aggressivität, der Krieg hat das letzte Wort, ist stärker als alles andere auf der Welt.

Dass das nicht so ist, zeigt sich uns in diesen Wochen in großer Eindringlichkeit. Es ist nicht der Krieg, die in allen Ländern so ungeheuerlich aufgebaute Kriegsmaschinerie, all die Verteidigungs- und Angriffswaffen, die uns in die Knie zwingen, die allen Menschen Angst und Sorge bereiten, und in unseren Häuser festhält. Es ist ein kleines, winziges Etwas, ein Virus. Ohne Macht, ohne Gewalt zeigt es der ganzen Menschheit die Grenzen auf. Dazu ist kein Krieg, keine Gewalt notwendig. Mit nichts von all dem, was uns Menschen an Vernunft und Wissenschaft auszeichnet, können wir es wieder loswerden. Viele, sehr viele werden durch das Virus zu Tode kommen.

Da bleibt für uns nur übrig, an sie zu denken, für sie zu beten, zu bitten, denn so viele müssen diesen letzten Weg allein gehen, ohne unsere liebevolle Begleitung. Der friedfertige, der sanftmütige König wird für sie da sein. Durch die verschlossenen Türen, in die abgeriegelten Häuser und Heime, in unsere aufgeschreckten Seelen tritt Jesus am Ostermorgen, dem Tag der Auferstehung, und sagt ganz einfach: „Der Friede sei mit euch!“

Mit diesen Worten meldet er sich zurück, unser König. Mit diesen Worten wird er endgültig für uns zum friedfertigen König. So schenkt er uns sein Programm: Frieden! Friedfertigkeit! Sanftmut! Ehrlich gesagt: Was bleibt uns eigentlich anders übrig? Wie können wir zur Zeit z.B. mit dem Virus sonst fertig werden? Alle martialischen Ausdrücke vieler Politiker helfen in keiner Weise. Den „Krieg“, den Kampf“ mit allen Mitteln können wir gar nicht gewinnen. Seit ewigen Zeiten gibt es Seuchen, Gefahren durch die kleinsten, unscheinbarsten Wesen der Erde. Immer wieder und immer weiter sind sie eine Gefahr. Dieser können wir nur begegnen, wenn wir ohne Angst sind, wenn wir die Kraft, die Kreativität nutzen, die uns Menschen geschenkt ist. Da ist kein Krieg zu führen mit unsinniger Zerstörung und Gewalt, – dadurch wurde dem Virus schon genug Vorarbeit geleistet. Wir werden bestehen durch besonnenes, sanftmütiges, angstfreies Handeln, das jedem von uns den Wert des Lebens erhält und bis in den Tod ermöglicht.

Denn auch der Tod ist ja nicht unser Feind. Leben und Tod, Tod und Leben sind das Geschenk, das jeder von uns erhalten hat. Die Zeit dazwischen können wir nutzen, für uns, für den anderen, für die ganze Menschheit, für die ganze Welt. Gebraucht wird nur eines: Frieden!

Dazu fordert uns Jesus, der friedfertige König eindringlich auf. In diesem Sinne sein österlicher Gruß an euch, an uns alle:

„Der Friede sei mit Euch!“

und: „Gehet hin und bringt/schenkt Frieden!“

(BM So. 05.04.2020)

Ostern

Liebe Freundinnen und Freunde!

Auch zum Osterfest, zu Ostern möchte ich ein paar (oder auch mehr) Gedanken mit Euch teilen, — keine Sorge, nichts Theologisches, mit dem, was dazu alles schon an Theologie betrieben wurde, kann und will ich nicht mithalten. Ich möchte über all das nachdenken, was wir in diesem Jahr an „Österlichem“ nicht erleben können nicht erleben können, vielleicht vermissen werden:

=== Osterfeuer === Osterkerze === Halleluja === Agape === Ostereier

Das sind österliche Zeichen und Handlungen, die mir sehr viel bedeuten, die zu Ostern dazu gehören. Deshalb werde ich davon erzählen, um sie Euch allen zum Osterfest zu schenken. Es beginnt mit dem ….

Osterfeuer: Schon als kleines Kind haben wir als Familie, Papa und Mama, meine Geschwister und ich, am Osterfeuer gestanden. Immer, immer gehörte es dazu: ein richtiges Feuer, zum Angucken, zum Anstrahlen. Das ist toll! Es ist Jahr für Jahr toll, wenn wir seit vielen Jahren am Osterabend auf dem Kirchplatz mit dem Feuer beginnen. Die Pfadfinder schlagen eine winzig kleine Flamme aus einem Stein und schon bald brennt das Feuer lichterloh. Einige Hundert katholischer und evangelischer Christen stehen rundherum. Und so viele Kinder sind dabei. Alle Blicke sind in dem Feuer, in dem Licht versammelt, vereint. Das ist so schön. Dafür bin ich sehr dankbar.

Vorher haben wir die Erzählungen des Alten Testaments gehört, die von der Schöpfung, mythische Geschichten von der Erschaffung der Welt, wunderschön. „Gott sah, dass es gut war! Es war Morgen, es war Abend, der nächste Tag!“ Auch wenn heute jedes Kind schon weiß: das war ja gar nicht so, so sagt uns diese Erzählung: Du Mensch, du gehörst dazu, zu dieser guten Schöpfung. Gott, der alles, auch Dich geschaffen hat, er hält Dich in seiner Hand. Und: Du Mensch, du kannst so vieles tun, bist frei in allem, aber pass bitte auf, was du machst! Das passt doch wie die berühmte Faust auf das Auge unserer ganz aktuellen Misere.

Dann der Auszug aus Ägypten: Gott, der für uns da ist, der das Volk Israel aus der schlimmsten Bedrängnis, die Menschen ihm angetan haben, herausführt. Der Mensch, der als Geschöpf sich selbst in der Gestalt des Pharao zu Gott macht, zum Herrscher über alles auf der Erde, muss einsehen, dass es mehr gibt, viel mehr, viel wirkmächtiger als alles vom Menschen Geschaffene, als Pyramiden und Gold, als Schlösser und Wolkenkratzer, als Börsen und Geschäfte, …..   

Wenn das nicht aktuell ist! Wenn uns das nicht ein Licht aufgehen lässt, in uns ein Feuer entzündet, ein Feuer, das das Alte, die Angst, die Sorgen, die Fehler verbrennt, und wie „Phönix aus der Asche“ Neues entstehen lässt. Das Osterfeuer, das kleine Licht der Osterkerze, welch ein starkes Zeichen der Hoffnung, das in die dunkle Kirche, in unsere angstvollen, kleinen Herzen hinein leuchtet und alles erhellt.

Halleluja: Oh, ja! Das Halleluja, in welcher Form auch immer: Halleluja von Händel, leider für uns Laien zu schwer, aber wenn der Kirchenchor es anstimmt, muss man doch einstimmen; das Halleluja von Taizé, so richtig, mit Schmackes, Strophe für Strophe, das „Halleluja“ besonders für die Kinder; und auch mit den Kleineren aus den Kindergärten singen wir, klatschen wir, trampeln wir das Halleluja: „Wir singen alle Hallelu, hallelu, hallelu, wir singen alle halleluja….“ oder als Gospel: „Hallelu, hallelu, hallelu, halleluja praise he the lord“ – zu deutsch: „ …… lobet den Herrn/singet dem Herrn/ klatschet …/ danket… …“;  oder auch als Tipp für die Jugendlichen, Jüngeren unter uns mit Gänsehautgarantie: das Halleluja von Leonard Cohen.                    

Da kommen einem fast die Tränen, weil wir dieses Lied in diesem Jahr nicht gemeinsam anstimmen können. Oder doch?! Vielleicht verabredet ihr euch ja in der Osternacht, am Ostermorgen per Skype oder einfach über den Gartenzaun zu einer kleinen Osterfeier. Dann stoßt mit einem Glas Wein an und singt das Halleluja miteinander oder lasst es abspielen. Genießt es, das Osterhalleluja!

So ist Ostern auch dieses Jahr, der Jubel, die Freude: Jesus ist auferstanden! Und wir werden das auch schaffen, versprochen und ganz bestimmt. Und schon sind wir mittendrin:

AGAPE:  Ein Feuer, ein Glas Wein, Halleluja, die Osterbotschaft – was brauchen wir mehr? Klar noch Brot, frisches, knuspriges Osterbrot – vielleicht sogar selbst gebacken, immerhin sind ja zur Zeit Mehl und Hefe in ausreichen-der Menge in Umlauf!-, zum Genießen, zum Teilen, und dazu noch ein Osterei (dazu später)!           

Es ist wirklich schade, dass wir das alles in diesem Jahr nicht vorbereiten können. Für mich war das in den vielen Jahren immer eine starke Erfahrung, wenn wir mit unseren Firmlingen die Agapefeier vorbereitet haben, immer mit 20 und mehr Jugendlichen, unseren Firmlingen, denen diese Art Ostern zu feiern eigentlich sehr fremd war. Aber sie haben mit angepackt, und im Nu war alles fertig, Tische gestellt und eingedeckt, liebevolle Deko, Gläser und Flaschen auf die Tische, Blumen, Brote und Ostereier in Körben zur Kirche gebracht. Alle haben mit angepackt und sind dann am Abend zur Osternachtsfeier erschienen.

Und dann, nach dem Gottesdienst in der Nacht – die Feier, Agape. Für das kommende Jahr kann ich alle jetzt schon mal herzlich einladen. Viel mehr möchte ich dazu nicht schreiben, denn es gäbe schon einige Geschichten, Erlebnisse dieser Nacht zu berichten, von jungen Männern und Frauen, der Wirkung des Rotweins nach der Fastenzeit, unliebsames Erwachen am Ostermorgen, Eier-Titschen und Durchhalten bis zum Sonnenaufgang. Diejenigen, die dabei waren, werden sich erinnern. Eines gehört in jedem Fall dazu:

Ostereier: Die müssen sein, aber nicht einfach so geschält und gegessen. Das Ritual muss eingehalten werden, nicht nur beim Verzehr sondern auch beim Kochen und Färben. Die besten, leckersten Ostereier muss man selber kochen und färben. Am schönsten ist das mit den Kindern. Das braucht ein wenig Zeit, aber Zeit haben wir in diesem Jahr ja genug. Rezepte zum Färben gibt es auch genug, oft als Familientradition. Nehmt euch diesen Spaß mit den Kindern.

Und zum Ostereieressen in der Osternacht oder beim Osterfrühstück gehört das Eiertippen, – aber bitte nicht einfach draufkloppen. Zuerst sucht jeder sich ein Ei aus in seiner Farbe, dann kommt der Härtetest, – das Ei leicht an den Zähnen antippen, spüren und hören, wie es klingt, – dann endlich der Ostereiertipp-wettkampf, – bitte beachten: „Spitz auf Spitz und Boll auf Boll“! – Das Ei, dessen Schale als erstes oben (Spitz) und unten (Boll) zerdeppert ist, muss vom Verlierer sofort verzehrt werden. Das andere Ei darf sich weiterhin mit den übrigen Ostereiern messen. Viel Spaß beim Familienostereiertippwettbewerb bis endgültig das einzig, wahre Champion-Ei gefunden ist.

So ist das mit dem Osterei, – das ja vorher auch noch gefunden werden will!- und all diesem Tun und den Zeichen der Osternacht und des Osterfestes. Sie lassen uns oft mehr verstehen von Ostern, von der Auferstehung Jesu als manche, ausgefeilte Theologie. Darum feiert bitte Ostern, feiert die Osternacht, wenn es geht (mit einem kleinen Osterfeuer im Garten), mit Osterkerze, mit Halleluja, Agape auch im kleinen und kleinsten Kreis, frischem Osterbrot (Rezept kann ich hier nicht liefern!) und Ostereiern, jeder für sich, jede Familie für sich, im Garten über den Zaun hinweg auf Abstand, mit Nachbarn und Freunden per WhatsApp, Skype, Telefon, Handy!

FROHE OSTERN ZUSAMMEN!

Noch eine Bitte: Gebt diesen Ostergruß mit Osterei und Osterbrot in eurer Nachbarschaft auch an alle weiter, die die letzten Wochen alleine in ihren Wohnungen verbringen mussten.  Gesegnete Ostern!!

B.M.

Junge Kirche: Schick mir eine Blume!

Heute habe ich nicht so viele Worte für euch, sondern nur ein Bild.

Meinen Karfreitag werde ich dort oben verbringen. Inmitten all der Einsamkeit und Trostlosigkeit.

Ist hier wirklich alles tot?

Schick mir eine Blume …

… als Foto an junge.kirche@stclemens-kaldenkirchen.de.

 

Der Tod Jesu: Mt 27,45–50

Von der sechsten Stunde an war Finsternis über dem ganzen Land bis zur neunten Stunde. Um die neunte Stunde schrie Jesus mit lauter Stimme: Eli, Eli, lema sabachtani?, das heißt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?
Einige von denen, die dabeistanden und es hörten, sagten: Er ruft nach Elija.
Sogleich lief einer von ihnen hin, tauchte einen Schwamm in Essig, steckte ihn auf ein Rohr und gab Jesus zu trinken.
Die anderen aber sagten: Lass, wir wollen sehen, ob Elija kommt und ihm hilft.

Jesus aber schrie noch einmal mit lauter Stimme. Dann hauchte er den Geist aus.

Karfreitag – grausame Realität

Auch zu Karfreitag fallen mir zuallererst zwei Szenen ein:

Szene 1:        Jedes Mal, wenn unsere Kindergartenkinder die Kirche besuchen, dann stehen einige mit großen Augen da und schauen das riesige Kreuz an, das über dem Chorraum schwebt. „Ist das Jesus?“ fragen sie eingeschüchtert. „Das ist nicht richtig Jesus, nur eine Figur, wie ein Bild!“ Mit dieser Antwort sind auch die Kleinsten natürlich nur halb zufrieden, denn die ganze Grausamkeit der Kreuzdarstellung erschreckt sie deutlich.

Szene 2:        Vor ein paar Jahren haben wir am Karfreitag-Morgen die Kinder zu unserem „Kinder-Kreuzweg“ noch an den Kreuzwegdarstellungen unter der Orgelbühne versammelt. Die Bilder, die da zu sehen sind, haben einen Jungen regelmäßig „aus den Latschen gekippt“. Er war so angespannt, dass er kreideweiß wurde und umfiel.

Es ist nun mal so: der Karfreitag ist ein Tag der grenzenlosen Gewalt, des von Menschen verursachten Grauens. Das ist nichts für zart besaitete Seelen. Da schauen wir lieber nicht hin. Oder doch: Noch vor einigen Jahrzehnten waren Monumentalfilme und sogar ein Musical, in denen das Leiden Jesu dargestellt wurde, große Kino- und Fernseherfolge. Erst als das ganze vor etwa 15 Jahren zu realistisch, zu gewalttätig dargestellt wurde, gab es Proteste.

Andererseits, wenn ich daran denke, was wir tagtäglich an Grausamkeiten über Fernsehen, Internet, Kinofilme, Videos konsumieren, ………

Ein Krimi im Fernsehen ist doch umso interessanter, je realistischer ein Gewaltverbrechen dargestellt wird, barbarisch und oft in Zeitlupe wiederholt. Action-Filme triefen von Blut und den abscheulichsten Darstellungen, von Horrorfilmen und Video-Spielen ganz zu schweigen. An den Konsolen, beim Spielen auf der Plattform kann jeder, vom Kind bis zum Greis, so viele Menschen und Tiere abknallen, wie er Lust dazu verspürt. Mit unsagbarer und perfektionierter Gewalt wird jede Form von Grausamkeit täglich von einer riesigen Zahl von Menschenkindern ausgeübt, als „Spiel“ verkauft – sogar so lange, bis der ein oder andere aus dieser Scheinwelt nicht mehr herausfindet.

Und die Realität: In der Wirklichkeit sind wir von diesen Gewaltexzessen in den letzten Wochen und Monaten eingeholt worden. Auch hier in Deutschland, der westlichen Welt, wo die Menschen doch seit 70 Jahren in einem friedlichen, normalen Umfeld leben, haben sich Hass, Verleumdungen, vielerlei Unmenschlichkeiten und Gewaltverbrechen breit gemacht. Ein Blick in andere Gegenden der Welt und auch in viele Nebenschauplätze bei uns lassen uns genauso erschrecken und erzittern wie die Kinder in der Kirche beim Anblick des Kreuzes.

Das Kreuz am Karfreitag, der Kreuzweg Jesu macht jedem von uns sehr eindringlich deutlich, wozu wir Menschen fähig sind, (und das, seitdem es Menschen gibt). Davor können und dürfen wir nicht die Augen verschließen. Dagegen muss jeder seine Stimme erheben und mit allem, was er hat, dagegen stemmen. Der Karfreitag in seiner menschenverachtenden und damit Gott verleugnenden Grausamkeit ruft uns alle auf, sich gemeinsam gegen jede Art von Gewalt einzusetzen, in jeder Form, an jedem Ort mit den Mitteln der Liebe und Barmherzigkeit, des Friedens und der Freundschaft.

Das ist die Botschaft Jesu. Dafür ist er gestorben. So kann er, so kann Gott bei uns sein, in unseren Gemeinschaften auferstehen und mit uns leben. Das ist die Erfahrung des Christentums, dessen Geschichte bis heute ja auch durch eigene, unsägliche Gewalt und erfahrene Grausamkeiten geprägt ist. So haben es die Freunde von Jesus bezeugt, auch wenn sie sich am Karfreitag feige versteckt haben, sich nach Jesu Tod eingeschlossen haben vor Angst. Sie sind ins Leben zurückgekehrt. Das war, das ist bis heute eine neue, unsere für alle Menschen lebenswerte und liebenswerte christliche Art zu leben.

B.M.

Oster-Specials von Rainer Oberthür

Angesichts des Ausfalls aller Gottesdienste und Zusammenkünfte in den Gemeinden und im Religionsunterricht biete ich meine meine „Ostererzählung“ als Youtube-Video an. Dankenswerterweise bekam ich hierfür die Zusage vom Gabriel-Verlag. Das Video – erstellt mit Hilfe meines Sohnes Daniel in Spanien – steht seit Freitag für eine begrenzte Zeit zur Verfügung und wird erfreulich oft aufgerufen, was die große Sehnsucht in den Familien widerspiegelt, das Osterfest nicht ausfallen zu lassen, vielleicht daheim sogar intensiver zu begehen als sonst.

https://www.youtube.com/watch?v=xL6EYH2pzvg

Bereits am letzten Mittwoch habe ich ein „Oster-Special für alle im Haus“ auf meiner Homepage eingestellt, mit einem Einführungstext und 13 Downloads sowohl für die Familie, aber natürlich auch für Religionsunterricht und Gemeinde, wenn es dort weitergeht …

http://www.rainer-oberthuer.de/material/

Herzlich dankt und grüßt Sie und wünscht Glück, Gesundheit und Geduld sowie ein frohmachendes und sinnstiftendes Osterfest, trotzdem und jetzt erst recht,

Ihr Rainer Oberthür