Archiv der Kategorie: Kirchenjahr

Erinnerungen – Advent, Advent, ein Lichtlein brennt!

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt.                                                         
Erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier,                                             
Dann steht das Christkind vor der Tür!

1. Lichtlein, zum 1. Advent auf den Weg geschickt – „Et Beld kütt!“

Nun sind wir im Advent angekommen! Das ist in diesem Jahr natürlich wieder mit vielen Fragezeichen verbunden – Advent 2020??? In diesem Jahr wird einiges anders sein. Wehmütig werden wir alle uns an die „normalen“ Zeiten erinnern, an so viel Schönes, Adventliches, Weihnachtliches! Deshalb möchte ich nochmal in eine Zeit zurück schauen, in der ich Kind war und „Advent“ für uns noch ganz anders verlief als in diesen Jahren des 21. Jahrhundert.

In unserem kleinen Dorf im Rheinland hatte unser Pastor eine Tradition eingeführt, die anderswo, besonders im Süden Deutschlands, bis heute mit „Frauentragen“ bezeichnet wird. Bei uns hatte das einen einfachen Namen, mit dem jeder im Dorf was anfangen konnte: „Et Beld!“ – diese Tradition gibt es übrigens heute noch!

Und so lief die ganze Aktion Jahr für Jahr ab:                          

Am 1. Advent wurden wir in kleinen Gruppen von drei oder vier Kindern in der Sonntagsandacht „ausgesandt“ mit einem Marienbild. Jeden Abend in der Adventszeit, wenn es dunkel wurde, besuchten wir eine andere Familie. Dort wurde gesungen und gebetet – zuerst „das Bild“  abholen, beten und singen, dann „das Bild“ zum nächsten Haus bringen, beten und singen. Jeden Abend waren wir bis zum Heilig Abend waren wir beschäftigt, 23 Tage hintereinander. Oft waren 6 Bilder unterwegs, 6 Gruppen, schön getrennt in Mädchengruppen und Jungengruppen, eingeteilt je für ein oder zwei Straßen.

Viele von uns Kindern machten mit, jedes Jahr, auch weil das ein oder andere „Leckerchen“ oder „Plätzchen“ dabei anfiel, (kein Geld, denn davon gab es damals noch nicht so reichlich). Nicht immer waren alle von uns mit so großer Begeisterung dabei. Oft mussten wir in unserer Gruppe auch mal auf den ein oder anderen umsonst warten. Besonders wenn mich der Sportplatz und das Fußballtraining rief, hatte das Bild bei mir auch keine Chance. Dann mussten die anderen ohne mich auskommen. Übrigens: Fernsehen (die Glotze) war damals keine Ausrede, denn es gab ja nur 2 Programme und am Abend keine „Kinderstunde“ mehr.

Im Advent war das ganze Dorf daran beteiligt, die einen warteten mit großer Frömmigkeit „op et Beld“, andere waren froh, wenn wir uns kurz hielten und dann weiter zogen. „Et Beld“ gehörte eben zum Advent in unserem Dorf dazu, wie es scheint bis heute!

Das Bild brachte die adventliche Botschaft des Wartens auf die „Ankunft des Gottessohnes“ bildlich in die Häuser der Bewohner. Sie sollten bereit sein, ihre Häuser und Türen, auch ihre Herzen zu öffnen für Maria (und Josef), um die „Fremden“, die eine Herberge suchen, aufzunehmen. Die Herbergssuche war auch der Hinweis unseres Pastors an uns.

Ich glaube, diese adventliche Aufgabe gilt auch heute noch für uns, damit für jeden von uns und besonders für die, die gerade in diesem Jahr ohne „zu Hause“ sind, oder so lange alleine und einsam zu Hause warten müssen,  auch Weihnachten sein kann.

Denn mit Weihnachten, am Heilig Abend ging unsere Aufgabe zu Ende. Zu Beginn der Christmette trafen sich alle Gruppen mit ihren Marienbildern in der Kirche. Mit einer kurzen Feier zu Beginn des Gottesdienstes wurden wir mit einem „Ave Maria“ begrüßt, und dann die Geburt des „Jesuskind“ im Stall von Bethlehem verkündet.    

(BM 19.11.2020)

 

ERINNERUNGEN – San Clemente und zurück

Der Hl. Clemens von Kaldenkirchen                                                                 

Nach dem „heiligen St. Martin“ feiert man in Kaldenkirchen noch vor dem 1. Advent das Clemensfest, den „Namenstag“ unseres Pfarrpatrons, dem Hl. Clemens. Er ist nicht nur für die katholische Pfarre St. Clemens zuständig, sondern, wie das Wappen von Kaldenkirchen deutlich zeigt, seit über 800 Jahren (wahrscheinlich schon viel länger) für die ganze „Stadt“.

Auf ihren „Clemens“ lassen die Kaldenkirchener nichts kommen. Er hat ihnen über all die Jahrhunderte zur Seite gestanden und sie beschützt, besonders dann, wenn der Ort wegen seiner Grenzlage immer und immer wieder in kriegerische Auseinandersetzungen hineingezogen wurde. Aber auch bei Seuchen, die in vielen Jahrhunderten fast regelmäßig auftraten, haben sich die Menschen an ihn gewandt, bis heute, davon erzählen die vielen, vielen Kerzen, die in den vergangenen Monaten tagtäglich in unserer Kirche angezündet wurden.

Es ist schon eine besondere Beziehung, die die Kaldenkirchener zu ihrem Hl. Clemens, den mit dem Anker, haben. Sie halten auch in einer Ze it an ihm fest, in der ansonsten die Anbindung zur Kirche immer weniger Bedeutung hat. Davon erzählt auch der „Grundstein“ im Altarraum unserer Clemenskirche. Als die Kirche Ende des 19. Jahrhunderts umgebaut und erweitert wurde, hat man aus der antiken Clemenskirche in Rom diesen Stein nach Kaldenkirchen geschafft, um so eine Verbindung zum Ursprung unserer Glaubensgeschichte und zum Hl. Clemens deutlich zu machen.

Deshalb ist die uralte Kirche „San Clemente“ in Rom, etwa 500 m vom Colosseum Richtung Lateran gelegen, immer ein „Muss“ für eine Besichtigung, wenn ich in den letzten Jahren mit einer Gruppe aus Kaldenkirchen oder auch mit der Familie Rom besucht habe. Über die Via Imperiali am Forum Romanum vorbei, dann um das Colosseum herum mit all den Massen von Touristen davor, kommt man in eine ruhige Straße, übrigens mit einigen hervorragenden, kleinen Pizzerien, die von unten (Colosseum) zum Lateran heraufführt.

Wenn man es nicht weiß, ist man schon an dieser unscheinbaren Kirche vorbei gelaufen, die ohne großen Touristenauflauf direkt am Straßenrand liegt versteckt hinter ein paar Bäumen – aber mit einer der schon erwähnten, kleinen Pizzeria und einer Eisdiele direkt gegenüber. Das ist wichtig, denn wenn man zur „Mittagspause“ dorthin kommt, kann man die Wartezeit mit Pizza und Eis im Schatten der Bäume vor der Kirche gut überbrücken. Siesta in Roms Mittagshitze!  

Die Kirche San Clemente betritt man über eine unscheinbare Seitentür, (hier kein Eintritt!). Sie besteht aus einem alten, wunderschönen Kirchenraum und einem sehr stillen, kühlen Innenhof, eigentlich der Vorhof, mit Brunnen, der einen in der Hektik Roms durchatmen lässt. Das Kirchenschiff im Innern wirkt auf den ersten Blick etwas fremd, weil sie anders ausgestaltet ist wie viele andere Kirchen Roms. Da fällt als Erstes die herrliche, goldglänzende Decke im Kirchenschiff und in der Apsis über dem Altar auf.  Es gibt eine Fülle von herrlichen Wandmalereien und Statuen im gesamten Kirchenraum aus den verschiedensten Epochen. Was besonders auffällt, ist ein erhöhter Bereich, der von der Apsis weit in das Kirchenschiff hineinreicht. Zudem wird auch deutlich, dass diese Kirche heute auch den Missioneren des europäischen Ostens, Methodius und Cyrill geweiht ist, deshalb auch seit vielen Jahren als Gotteshaus für die orthodoxen Christen in Rom genutzt wird.  Jeder spürt an diesem Ort das Alter der Basilika, die im 12. Jahrhundert errichtet wurde auf den Mauern einer viel älteren „Clemenskirche“:

Das Geheimnis von „San Clemente“ erschließt sich nämlich erst, wenn man in den Untergrund hinabsteigt, -dafür muss man allerdings in die Tasche greifen-. Dazu verlässt man den Kirchenraum über den Zugang, der früher allein den Mönchen des dazu gehörenden Klosters zugedacht war. Zweimal geht es abwärts und jedes Mal betritt man eine andere Welt, eine andere Epoche der langen Geschichte Roms, der Geschichte des Christentums und des Glaubenslebens der Menschen. (Auch darunter sind noch Reste einer Bebauung gefunden worden, die aber nicht zugänglich sind.)

Das erste unterirdische Stockwerk, quasi das Fundament der heutigen Kirche, bildet eine ältere Clemenskirche aus dem 4. Jahrhundert, in der der Hl. Clemens in Rom schon lange verehrt wurde. Der gesamte Kirchenraum ist frei gelegt und dort befinden sich noch zahlreiche uralte Reste der Wandbemalung und andere wertvolle Funde früher christlicher Frömmigkeit und Kunst. Neben dem großen Innenraum geht man durch die Seitengänge, die Seitenschiffe quasi auf dem Niveau der Straßen des 4. Jhdt. nach Christus.

Von dort geht es auch weiter abwärts, auf das Niveau und die Geschichte des 1. Christlichen Jahrhunderts, in die Welt vor 2000 Jahren, auf Wege, Fundamente und direkt in die Häuser des alten Rom. Überall hört man es gluckern und plätschern. Wasser, wie es vor 2000 Jahren über die römischen Wasserleitungen in die Stadt geleitet wurde, läuft nach wie vor neben den Wegen in die Wohnungen/ Wohnblocks, die an dieser Straße lagen. Und dann kommt die größte Überraschung. In einem der Wohnblocks, der römischen Insulae, trifft man auf einen Kultraum aus der Zeit Jesu, der dem persischen Sonnengott Mithras geweiht war. Dazu müsste an dieser Stelle sicherlich weitere Erklärungen folgen, aber das würde den Rahmen sprengen.

Es reicht, glaube ich, von dem Staunen und den überwältigenden Eindrücken zu berichten, die einen an diesem Ort überkommen. Da stehst du da, einige Meter unter der Erde und spürst eine direkte Verbindung von den Menschen in Rom vor 2000 Jahren zu Dir selbst und über die Jahrhunderte hinweg bis nach Kaldenkirchen von heute. Hier wie dort, damals wie heute haben die Menschen nach dem Licht gesucht, besonders in den dunklen Zeiten, sich festgehalten und verbunden durch den Glauben an einen Gott, der das Licht in ihr Leben bringt. Für die vielen, vielen einfachen Leute im Imperium Romanum war das die strahlende Sonnengottheit Mithras. Für uns Christen, beginnend mit der Geburt Jesu, ist er bis heute zum Licht der Welt geworden. Der Glaube an ihn wurde durch Menschen wie den Hl. Clemens, den 2. Nachfolger von Petrus als Bischof von Rom, an uns durch die Generationen weiter gegeben. Er sagt uns und zeigt uns: Jesus ist das Licht! Er ist für uns alle, die mit ihm im Boot sind, der Rettungsanker, den uns „unser Clemens“ anbietet.

So entsteht in San Clemente eine faszinierende Verbindung, die bis in unsere Kirche „Sankt Clemens“ reicht. Sollten Sie als Kaldenkirchener mal nach Rom kommen, vergessen Sie den Besuch von „San Clemente“ nicht. Die Ruhe und Besinnlichkeit der derzeit oberirdischen Kirche und die Entdeckungen unter der Erde führen Sie in eine geheimnisvolle Welt und verbinden Sie unmittelbar mit der Geschichte über Jahrhunderte hinweg bis zu uns, zu unseren Kinder, Familien, in unsere Welt im „kleinen Kaldenkirchen“.    

Und wenn Sie, gerade in den dunklen Tagen des November und der „schlimmen“ Zeit, die wir gerade erleben, in unsere Clemenskirche kommen, dort vorbei kommen, dann zünden sie dort ein Licht an, ein Licht als Bitte für Frieden, Gesundheit, für unsere Gemeinschaft, ein Licht der Liebe und des Vertrauens, ein Licht für alle, für jeden, der von den Ängsten und Sorgen dieser Tage bedrängt wird.           

(BM 28.10. / 01.11.2020)

ERINNERUNGEN  –  nicht nur der derzeitigen Situation geschuldet

Liebe Freundinnen und Freunde!

Jeder weiß zur Zeit, was die Stunde geschlagen hat. Viele richten ihren Blick auch schon voraus in die Wintermonate des Jahres 2020/2021: Wie kann das alles gehen? Was wird alles anders sein? Was kann ich/ was können wir tun, damit nicht alles …… ? So vieles ist vollkommen in Frage gestellt!

Vielleicht hilft uns, unseren Familien, den Kindern, den Jugendlichen ein Stichwort:

ERINNERUNGEN —- denn, wenn wir uns erinnern, wie es war, was war, an das, was uns unvermittelt einfällt, positiv oder auch negativ, dann gibt das für uns selber einerseits was zu tun, und andererseits auch Anregungen, was anzupacken. Darüber hinaus sind Erinnerungen und deren Weitergabe seit Menschengdenken für die Lebendigkeit einer Familie, einer Gemeinschaft, unseres Christentums, der Kirche als Gesamtheit, unserer Gemeinden St. Clemens und St. Lambertus maßgeblich mitverantwortlich.

Mit den Festen Allerheiligen / Allerseelen möchte ich an dieser Stelle einen winterlichen Erinnerungsbogen beginnen.

ERINNERUNGEN I    ——   ALLERHEILIGEN / ALLERSEELEN  – (vor noch nicht 60 Jahren):

Allerheiligen und Allerseelen – damals beide Tage noch Feiertage – waren bei uns zu Huase als Kinder Jahr für Jahr sehr geheimnisvolle Tage. Als Hintergrund gehört dazu, dass es in unseren Kindertagen in unserem Dorf immer noch einen „Kirchhof“ gab, der gleichzeitig als Friedhof des Dorfes genutzt wurde. Meine Großeltern und alle Vorfahren und verstorbenen Mitglieder der Familie waren dort beerdigt, direkt um die Kirche herum. Jeder kannte die Gräber der eigenen Familie. Fast täglich führte der Weg daran vorbei, denn der Kirchhof lag mitten im Dorf, ein paar Stufen höher wie die Straßen. Der Weg über den Friedhof verband den westlichen Teil des Dorfes mit den Straßen im Osten. Am Abend, in der Dämmerung wählten wir Kinder selbstverständlich den längeren Weg um den Friedhof herum. Nur „ganz Abgebrühte“ liefen dann noch über den Kirchhof, der dann, eingerahmt von einer alten, Efeu bewachsenen Mauer, im Schatten des unheimlichen Kirchturms, um den der Wind sauste und heulte, unbeleuchtet in der Dunkelheit lag.

Jeder hatte so seinen bevorzugten Weg um die Kirche herum, je nachdem „wo Opa oder Oma lagen“. Am Tag war das alles, wie gesagt, kein Problem, alles war ja so vertraut, auch die Leute, die man so traf auf dem Kirchhof. Jeder kannte doch jeden bei uns im Dorf, aber am Abend?  …… Und wenn sich dann noch ein anderer dort zwischen den Gräbern bewegte? Es war sicherlich eine Mutprobe, sich im Dunkeln über den Friedhof zu trauen!

Und dann kam die dunkle Jahreszeit. Allerheiligen war immer der Beginn. An diesem Tag war alles anders. Wir warteten darauf, dass es am frühen Nachmittag dämmerte. Dann zogen sich die Eltern die Wintermäntel an und die ganze Familie machte sich auf den Weg zum Friedhof, so wie fast alle anderen Familien aus dem Dorf.

Erst wenn wir die Stufen zum Kirchhof hoch gestiegen waren, konnten wir Kinder es sehen: die vielen roten Lichter in den Laternen auf den Gräbern. Dazwischen huschten die kleinen und großen Bewohner des Dorfes, leise flüsternd.

Nacheinander wurden alle Gräber der Familie, von Opas und Omas, Großtanten und –onkel „besucht“, dort leise gebetet. Die flackernden roten Lichter glänzten in unseren Augen, während alle ruhig und sehr gesittet den Gang über den Kirchhof zu Ende brachten. Von den Eltern wurden wir dabei auf den/ die eine/n oder andere/n früheren Nachbarn, Vorfahren, Onkel, Tante aufmerksam gemacht, „der hier und da liegt“. So wurden uns Kindern viele Verbindungen deutlich und Erinnerungen an diese Verstorbenen blieben wach. Uns wurde bewusst, dass wir dazu gehörten, zu all denen, denen wir auf dem Friedhof begegneten. Sie und wir gehörten zur Geschichte unserer Familien, zur Geschichte des Dorfs und der Kirche mitten im Dorf.

ERINNERUNGEN eben, an Allerheiligen/Allerseelen, an all das, was unser Leben ausmacht. In den kommenden Wochen und Monaten wird es einige „Gedenktage“ geben. Sie verbinden uns auch mit unserer Geschichte, unserem Glauben und besonders unseren Kirchengemeinden. Geschichten, die wir Jahr für Jahr weitergeben müssen, auch und gerade in diesem Jahr/ Winter 2020 / 2021, in dem viele der gewohnten Bilder, Orte und Wege verschlossen bleiben.

Vielleicht haben auch Sie Spaß und Interesse daran, dabei mit zu tun, Ihre Erinnerungen mit anderen zu teilen, sie mitzuteilen. Dann können wir miteinander auch die Advent- und Weihnachtstage begehen und diese, auf eine andere Art und Weise, miteinander feiern.

Bernhard Müller (BM 25.10.2020)

Erntedank 2020

Liebe Freundinnen und Freunde!

Natürlich ist es angebracht am Anfang des Oktober zum „Erntedank“ sich ein paar Gedanken zu machen, auch und gerade in diesem Jahr 2020. Aber bevor Sie weiterlesen, bitte ich Sie/Euch alle, sich in Ruhe die Bilder Herz-Bilder (auch zu finden im Bericht zur „Ferienaktion der Kinder – Herzbilder“) anzusehen.

Ich hoffe, Sie haben sich/ Du hast Dir dazu ein wenig Zeit genommen, die Bilder auf dem Bildschirm maximal vergrößert und genau hingeschaut. Wenn man durch die Hände der Kinder unsere Welt betrachtet, auf die Welt schaut, dann geht einem doch das Herz auf.

Dabei hat unser Herz in diesem Sommer seit den Blüten des Frühlings schon einiges zu verarbeiten. Bei den unsäglichen Ereignissen und Nachrichten über den ganzen Sommer hinweg ist es kein Wunder, dass sich alles zusammenkrampft. Und die Aussichten für die kommenden Wochen und Monate stimmen uns nicht hoffnungsvoller.

Umso schöner und ergreifender ist es, wenn sich unser Herz auch mal wieder entspannen kann. Vielleicht schaffen das ja die „Kinder-Bilder“, die uns mit ihren Händen wieder auch die andere Seite unserer Welt, unseres Daseins entdecken lassen. Sie reichen uns ihre Hand. Sie lassen uns nicht nur dankbar auf wundervolle Dinge unserer Welt blicken, ihre Hände werden so auch zu den Händen Gottes, von denen wir in der Kinderkommunion gesungen haben: „Hände, die schenken, erzählen von Gott. Sie sagen, dass er uns liebt!“

Denn alles, jedes Teil, jedes Wort und jede Sekunde, die uns aus Freude, aus Lebensmut und Freundschaft von einem Mitmenschen und Mitgeschöpf, nah oder fern, geschenkt werden, alles das zeigt direkt auf die barmherzigen und helfenden Hände Gottes. Die Hand Gottes ist ganz nah, sie ist da, wenn wir uns gegenseitig halten und helfen, wenn wir uns die Wunder unserer Welt zeigen und, besonders in einer bedrängenden Zeit, uns darauf aufmerksam machen.

Damit verändert sich unser Denken. Jeder Gedanke, ohne das Schwierige zu vergessen – es gibt sicherlich Länder und schreckliche Orte, wo es den Menschen viel, viel schlimmer ergeht; das/die dürfen wir dabei niemals vergessen –, erhält eine andere Richtung. Das Staunen, die Freude, das Wundervolle unseres Daseins kann wieder in mein Herz, damit die Hoffnung, der Mut und der Glaube an das Leben, an Gott unseren Vater im Himmel lebendig bleibt.

Dann wird auch niemand vergessen, dass aus dem Denken, aus unseren Gedanken das „DANKEN“ wird, werden muss. Den „Erntedank“ dürfen wir einfach, auch in den schwierigsten Zeiten, nicht weg lassen. Erntedank ist „Danke sagen“ für alles, was wir als Nahrung zu essen und zu trinken haben. Erntedank ist „Danke sagen“ allen, die für unser Essen und Trinken sorgen, auch in diesem Jahr. Erntedank ist „Danke- sagen“ für jedes Geschenk, das uns/mir von Mensch zu Mensch gemacht wird. Erntedank ist „Danke-sagen“ für alles, was mir mein Leben ermöglicht, angenehm macht und mich gesund erhält. Erntedank ist „Danke-sagen“!                         

So führt uns der Erntedank auch dazu, unser Denken und unsere Hände dem Anderen zu schenken.

Am Sonntag, dem 04. Oktober 2020 ist das Erntedankfest. Leider können wir es in diesem Jahr nicht als Gemeinden St. Clemens und St. Lambertus gemeinsam mit den Kindern, den Familien und allen anderen in einem großen, festlichen Gottesdienst feiern. Deshalb ist es umso wichtiger, dass jeder/ jede Familie für sich daran denkt und dankt.

Abschließend möchte ich noch an jemand erinnern, dessen Namensfest am 04. Oktober gefeiert wird, den Hl. Franz von Assisi. Franziskus, der als junger Mann auf seinen Reichtum verzichtet hat, lebte mit seinen Freunden in großer Armut, aber an jedem Tag hat er alle Menschen auf die Schönheit der Schöpfung Gottes aufmerksam gemacht. Sein schönstes Zeugnis dafür ist der Sonnengesang, den viele in dem Lied „Laudato Si“ kennen. Wie wäre es, wenn Sie /Ihr/ Du das zu Hause miteinander singen würdet als Lob und Dank zum „Erntedank 2020“.

Bernhard Müller


Der Text des Sonnengesangs:

Höchster, allmächtiger, guter Herr,
dein sind der Lobpreis, die Herrlichkeit und Ehre und jeglicher Segen.
Dir allein, Höchster, gebühren sie,
und kein Mensch ist würdig, dich zu nennen.

Gelobt seist du, mein Herr, mit allen deinen Geschöpfen, zumal dem Herrn Bruder Sonne;
er ist der Tag, und du spendest uns das Licht durch ihn.
Und schön ist er und strahlend in großem Glanz,
dein Sinnbild, o Höchster.

Gelobt seist du, mein Herr, durch Schwester Mond und die Sterne;
am Himmel hast du sie gebildet, hell leuchtend und kostbar und schön.

Gelobt seist du, mein Herr, durch Bruder Wind und durch Luft
und Wolken und heiteren Himmel und jegliches Wetter, durch das du deinen Geschöpfen den Unterhalt gibst.

Gelobt seist du, mein Herr, durch Schwester Wasser,
gar nützlich ist es und demütig und kostbar und keusch.

Gelobt seist du, mein Herr, durch Bruder Feuer,
durch das du die Nacht erleuchtest;
und schön ist es und liebenswürdig und kraftvoll und stark.

Gelobt seist du, mein Herr, durch unsere Schwester, Mutter Erde,
die uns ernähret und lenkt
und vielfältige Früchte hervorbringt und bunte Blumen und Kräuter.

Gelobt seist du, mein Herr, durch jene, die verzeihen um deiner Liebe willen
und Krankheit ertragen und Drangsal.
Selig jene, die solches ertragen in Frieden, denn von dir, Höchster, werden sie gekrönt werden.

Gelobt seist du, mein Herr, durch unsere Schwester, den leiblichen Tod;
ihm kann kein Mensch lebend entrinnen.
Wehe jenen, die in schwerer Sünde sterben.
Selig jene, die sich in deinem heiligsten Willen finden,
denn der zweite Tod wird ihnen kein Leid antun.

Lobt und preist meinen Herrn
und sagt ihm Dank und dient ihm mit großer Demut.


Das „Laudato Si“

Laudato si, o-mi Signore,
laudato si, o-mi Signore,
laudato si, o-mi Signore
laudato si, o-mi Signor

Sei gepriesen, du hast die Welt erschaffen
Sie gepriesen für Sonne, Mond und Sterne
Sei gepriesen für Meer und Kontinente
Sei gepriesen denn du bist wunderbar Herr!
laudato si, o-mi Signore

Sei gepriesen für Licht und Dunkelheiten
Sei gepriesen für Nächte und für Tage
Sei gepriesen für Jahre und Gezeiten
Sei gepriesen denn du bist wunderbar Herr!
laudato si, o-mi Signore

Sei gepriesen für Wolken, Wind und Regen
Sei gepriesen du läßt die Quellen springen
Sei gepriesen du läßt die Felder reifen
Sei gepriesen denn du bist wunderbar Herr!
laudato si, o-mi Signore

Sei gepriesen für deine hohen Berge
Sei gepriesen für Feld und Wald und Täler
Sei geprisen für deiner Bäume Schatten
Sei gepriesen denn du bist wunderbar Herr!
laudato si, o-mi Signore

Sei gepriesen du lässt die Vögel singen
Sei gepriesen du lässt die Fische spielen
Sei gepriesen für alle deine Tiere
Sei gepriesen denn du bist wunderbar Herr!
laudato si, o-mi Signore

Sei gepriesen denn du Herr schufst den Menschen
Sei gepriesen er ist dein Bild der Liebe
Sei gepriesen für jedes Volk der Erde
Sei gepriesen denn du bist wunderbar Herr!
laudato si, o-mi Signore

Sei gepriesen du selbst bist Mensch geworden
Sei gepriesen für Jesus unsern Bruder
Sei gepriesen wir tragen seinen Namen
Sei gepriesen denn du bist wunderbar Herr!
laudato si, o-mi Signore

Sei gepriesen er hat zu uns gesprochen
Sei gepriesen er ist für uns gestorben
Sei gepriesen er ist vom Tod erstanden
Sei gepriesen denn du bist wunderbar Herr!
laudato si, o-mi Signore