Viehhofen 2016 – Erster Tag

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Der erste Tag geht zu Ende…

Der erste ereignisreiche Tag unserer Ferienfreizeit in Viehhofen/Österreich geht zu Ende.

Heute Morgen um 07:38 Uhr war es endlich soweit. Der schicke, orangefarbene Bus fuhr in die Bachmühlstraße ein. Die Koffer wurden ausgepackt, nach einem vorzüglichen Frühstück die Zimmer bezogen und die ersten Gesellschaftsspiele gespielt. Auch eine Mütze voll Schlaf durfte nach der langen Fahrt nicht fehlen.

Zum Mittagessen gab es standesgemäß Spaghetti Bolognese. So waren alle gestärkt, um den Nachmittag gemeinsam auf dem im kleinen Ort Viehhofen liegenden Sportplatz zu verbringen. Ob Volleyball, Fußball, Schaukel oder Badminton, der Spielfreude waren keine Grenzen gesetzt.

Im nachmittäglichen Gottesdienst ließen wir den vergangenen ersten Tag Revue passieren. Die Gesangsrunde am Abend komplettierte einen aufregenden Tag.

Wir freuen uns auf die nächsten Tage und sind gespannt, was wir alles berichten dürfen.

Zwölfter Rundbrief aus Bolivien

Zwölfter Rundbrief aus Bolivien

Auf der Steyler Farm und San Ignacios Jahrestag

Hallo Ihr Lieben,

wie ich in meinem letzten Rundbrief angedeutet habe, hatten hier die Schülerinnen und Schüler gerade zwei Wochen Winterferien. In der ersten Woche der beiden waren die Casas allerdings noch nicht ganz leer. Jedes Haus wurde in zwei Gruppen unterteilt und hat jeweils drei Tage in der Casa verbracht.

In den drei Tagen wurde natürlich ein bisschen im Haus gearbeitet. Aber auch auf der Steyler Farm mitangepackt.

Die Steyler Farm, die hier Alle nur Estancia nennen, befindet sich circa eine Stunde mit dem Auto durch Wald, Feld und kleine Dörfer von San Ignacio entfernt. Dort haben die Mädels und Jungs eine Art Feld, auf dem sie fleißig mithelfen sollen, um früher oder später von den Früchten der eigenen Arbeit (zumindest teilweise) zu leben. Damit das in Zukunft einfacher möglich ist, haben die Steyler ein kleines Haus mit einigen Zimmern gebaut, in dem die Mädchen und Jungs unterkommen können, wenn es zum Arbeiten auf die Estancia geht.

Bolivien53Mit der ersten Gruppe ging es also los – für zwei Tage und eine Nacht auf die Estancia. Da das Haus ganz neu ist, musste natürlich alles mitgenommen werden. Angefangen bei Klamotten und Dingen des persönlichen Bedarfs, über Geschirr und Töpfe, bis hin zu Matratzen und natürlich Verpflegung für zwei Tage. Stilecht bolivianisch passt das und alle Passagiere natürlich in, an und auf zwei Geländewagen.  Dann ging es los. Die erste Gruppe vor Ort beschäftigte sich noch hauptsächlich mit Putzarbeiten rund um das Haus. Die drei folgenden Gruppen der nächsten Tage mussten dann aber mit  Arbeiten wie Streichen der Duschen und Bäder, Lackieren der Türen, dem Bau eines Volleyballfeldes und eben auf dem Feld richtig anpacken.

Bolivien54Für mich hatte das ganze eher den Charakter eines Abenteuerausfluges. Zumindest ein wenig. So genießen wir hier in der Casa zum Beispiel doch den Luxus eines Gasherdes. Auf der Estancia wird aber noch richtig auf Feuer in der Freiluftküche gekocht. Das ganze bereitete mir dann doch ein bisschen mehr Schwierigkeiten als gedacht. Aber zum Glück hatte ich ja immer eines der Mädels an meiner Seite, die mir da mit Tatkraft und Fachwissen zur Seite standen. Am Ende glückte uns dann gemeinsam doch jedes Mittag- und Abendessen.

Am Abend wurde dann gemeinsam am Lagerfeuer entspannt. Bei Kartoffeln und Chickenwings frisch aus dem Feuer wurde, teilweise bis zu später Stunde, noch gequatscht, gealbert und erzählt.

Bolivien55Zurück in der Casa gab es aber natürlich auch noch einiges zu tun. Auch hier wurden alle Zimmertüren neu lackiert, viel geputzt und aufgeräumt oder einfach in Ordnung gebracht. Einige der Mädels beschäftigten sich auch mit Nähen und fertigten in der Zeit viele Topflappen an, die verkauft werden und deren Erlös natürlich der Casa zukommt.

Ich habe in der Zeit auch wieder die meiste Zeit in der Küche verbracht und mich insgeheim das erste Mal über unseren alten und eigenwilligen Gasherd gefreut.

Bolivien56Nebenbei ging es dann auch ein wenig ans Rucksack packen. In der zweiten  Ferienwoche ging es nämlich für die Mädchen nach Hause und für Elli und mich in den Urlaub. Diesmal konzentrierten wir uns auf unserer Reise ganz auf Bolivien und besuchten fast ausschließlich das Hochland und lernten so ein ganz anderes Gesicht von Bolivien kennen. Von Potosi ging es für uns nach La Paz, von dort zum Titicacasee und zu guter Letzt drei Tage lang durch die Uyuniwüste.

Nach zwei dann doch anstrengenden Wochen kamen wir dann am Sonntag wieder in San Ignacio an. Diesmal jedoch mit dem Wissen: jetzt bleiben uns noch genau 14 Tage an diesem Ort. Diese galt und gilt es natürlich voll auszunutzen. Zum Glück spielt uns das Schicksal mal wieder ein bisschen in die Hände und es gab und gibt noch einiges zu erleben.

Bolivien57Nach einer Schulwoche voller Alltag und ersten Vermissensbekundungen war dieses Wochenende das Patrozinium von unserem Heimatstädtchen San Ignacio de Velasco. Wie Alles hier wurde dieses Fest natürlich groß gefeiert. Schon seit Montag gab es zum Beispiel jeden Abend eine Rosenkranzandacht und kleine Messe zu Ehren des hl. Ignatius, um sich auch geistlich voll auf das Wochenende einzustimmen. Die ganze Woche war dann schon gespickt von Vorbereitungen und Plänen, um am Wochenende zu feiern.

Für mich begann das richtige Fest dann eigentlich am Freitagnachmittag. Da ging es (statt Unterricht) mit meinem Kurs aus dem FASSIV auf die Plaza. Begleitet wurden wir auch noch von zwei anderen Kursen.

Bolivien58Gemeinsam ging es dann zu Fuß ins Zentrum. Hier war zwar noch nicht viel los, aber die ersten Stände, die Schmuck, Bücher, Kinderspielzeug, Kuscheltiere und Co. verkauften, waren schon aufgebaut. Nach ausgiebigem Angucken gab es dann für jedes Kind Kaugummi aus dem Kaugummiautomaten (was ein echtes Highlight war) und eine kleine Überraschung aus dem Lostopf. Dabei konnten die meisten ihr Glück schon kaum fassen. Begeistert wurden die Ohrringe, Ketten und Armbänder angelegt und stolz präsentiert. Als kleines I-Tüpfelchen  gab es dann von einem Eismann auch noch einige Eis ausgegeben, die natürlich brüderlich geteilt wurden.

Danach ging es noch eine Weile in die Kathedrale, in der gerade das FASSIV Orchester für das Konzert am Abend probte. Nach einiger Zeit des Lauschens ging es dann auch schon wieder zurück ins FASSIV und der Schultag war beendet.

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Gerade solche kleinen Ausflüge zeichnen für mich die Arbeit im und mit dem FASSIV und die Besonderheit dieser Institution aus. Denn auch wenn San Ignacio eine der wenigen Städte Boliviens ist, die durch den Einfluss des FASSIV einen recht offenen Umgang mit Menschen mit Handicap oder Behinderung pflegt, nehmen viele Eltern ihre Kinder nicht mit in die Öffentlichkeit, sei es aus Scham, Desinteresse oder einfach aus Bequemlichkeit. Gerade da knüpft das FASSIV mit seinen Lehrerinnen und Therapeutinnen an. Durch einfache Präsenz zum Beispiel auf der Plaza wird auf beiden Seiten sensibilisiert. Der Umgang der Menschen mit diesen Kindern ändert sich und auch die Kinder nehmen was mit. Sie kommen mal raus, haben riesig viel Spaß und lernen, wie sie sich in der Öffentlichkeit verhalten sollten. Gerade weil einige Kinder, um im FASSIV gefördert zu werden, nicht bei ihren Eltern und Familien wohnen, ersetzen solche Aktivitäten natürlich auch ein bisschen das Familienleben, was viele Kinder wirklich stark vermissen.

Mit den Feierlichkeiten in San Ignacio ging es für mich dann am Samstagabend weiter. In der Stadt wurde gefeiert. Mit Live-Musik, Talentwettbewerb, Krönung der Königin des Festes, Orchestermusik und natürlich mit einem großen Feuerwerk um 00:00.

Bolivien60Am Sonntag ging es dann weiter mit der Messe. Wie in San Juan (aus meinem letzten Rundbrief) gab es hier zum Patrozinium natürlich auch die Heiligenverehrung, bei der die Heiligenfigur in einer Prozession nach der Messe durch die Stadt getragen wurde. Das ist jedes Mal wieder ein riesiges Spektakel mit Blasmusik und allem was dazu gehört, an dem wahnsinnig viele Leute teilnehmen.

Damit liegt unser vorletztes Fest und Wochenende hier in San Ignacio dann jetzt auch schon hinter uns.

Vor uns liegt nun eine Woche voller letzter Male und Verabschiedungen, die mit Sicherheit schwer wird, die ich aber auf jeden Fall noch in vollen Zügen genießen will. Gleichzeitig wächst aber auch die Vorfreude auf alles und alle zu Hause immer mehr. So kann ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf die Zeit, die hinter mir liegt, auf die Zeit, die mir noch bleibt und auf die Zeit, die danach kommt schauen und mein Da-Sein einfach ein bisschen genießen.

In wenigen Tagen werde ich mich dann mit einem letzten Brief aus Bolivien melden, bevor wir uns in Deutschland wiedersehen!

 Bis dahin, liebste Grüße aus Bolivien,

 Eure Julia

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Rückblick Jugendmesse am 03.07.2016

Wind- und wetterfest – Verwurzelt im Glauben

‚Hoffentlich regnet es nicht‘ – Dieser Gedanke verfolgte mich die gesamten letzten Tage, bevor dann endlich der Tag kam, an dem unsere Jugendmesse stattfinden sollte. Insgesamt sind es jetzt schon acht Gottesdienste, die wir als Junge Kirche St. Clemens Kaldenkirchen vorbereitet haben.

Und kein Gottesdienst gleicht dem anderen!

Dieses Mal sollte es eine Jugendmesse „mit Fahrrad“ werden. Auch die Messfeier sollte draußen stattfinden. Der genaue Ort wurde von uns allen mit größtmöglicher Sorgfalt unter Verschluss gehalten (tatsächlich haben es auch nur wenige vorher herausgefunden).

Jugendmesse_Sequoiafarm14Schon nachmittags trafen wir uns, um an diesem geheimen Ort Vorbereitungen zu treffen. Prompt fing es an zu regnen. Das hielt uns aber nicht davon ab, Bänke dorthin zu tragen, die Texte zu üben und mit den Musikern zu proben.

Kurz vor sechs trafen wir uns dann auf dem Kirchplatz vor St. Clemens mit allen anderen, die die Neugierde gepackt hatte. Sogar einige aus unseren Nachbargemeinden hatten den Weg zu uns gefunden – natürlich mit dem Fahrrad!

Bevor es losging, haben wir natürlich noch unseren Koffer gepackt. Man macht doch keine Reise, ohne nicht zumindest eine Regenjacke, eine Sonnenbrille, einen Helm, Wasser und einen guten Freund einzupacken.

Mittlerweile zogen wieder ein paar Wolken auf und einige beäugten misstrauisch den Himmel. Mit Polizeigeleit machten wir uns auf den Weg durch die Straßen Kaldenkirchens. Links, rechts, links, rechts. Natürlich haben wir nicht den direkten Weg genommen, aber schnell war klar, dass wir uns immer weiter in Richtung Wald bewegten.

Mitten im Wald waren wir am Ziel unserer kleinen Pilgerreise angelangt: Die Sequoiafarm Kaldenkirchen. Unter uralten Riesen, die die Zeiten überdauert haben und durch Wind und Wetter gegangen sind, wollten wir gemeinsam Eucharistie feiern. Da wir uns bereits mitten unter Bäumen befanden, die uns wie eine hohe Kathedrale umgaben, war es auch nicht verwunderlich, dass auch thematisch der Baum als Symbol diente, um Gott und unserem Glauben näher zu kommen.

Der Wald verlieh der Umgebung eine besondere Aura und es hat unglaublich viel Spaß gemacht, zu Gitarren, Keyboard, Geige, Querflöte und Cajon die Lieder zu singen. Besonders ein gefühlvolles Instrumentalstück hat alle in ehrfürchtiges Staunen versetzt.

Jetzt waren wir angekommen. Angekommen an einem besonderen Ort. Hier wollten wir sein, hier wollten wir bleiben. Also haben wir auch unseren Rucksack wieder ausgepackt:

Jugendmesse_Sequoiafarm60Die Regenjacke, die mich vor Regen und Wind schützt. So wie Maria, die ihren Mantel schützend über uns allen ausbreitet.

Die Sonnenbrille, die mich davor schützt, geblendet zu werden. So wie der heilige Geist, der mir die Sicht bewahrt, wenn ich ins Gegenlicht blicke.

Der Helm, der mich schützt, sollte ich tatsächlich einmal fallen. So wie ein Schutzengel, den Gott gesendet hat.

Das Wasser, das mich erfrischt, wenn ich dürste. So wie wir alle immer neu unsere Taufe entdecken.

Der gute Freund, der mich unterstützt und mir beisteht. So wie Jesus, der in allen Lebenslagen bei mir ist.

Jugendmesse_Sequoiafarm66 Während Pastor Schnitzler die Kommunion austeilte, wurde ein Instrumentalstück gespielt. Schnell erkannten einige die Melodie und kurz darauf stimmten alle in den Kanon „Der Himmel geht über allen auf“ ein.

Jugendmesse_Sequoiafarm01Zwischendurch brach dann sogar die Sonne zwischen den Wolken durch – so wie auch immer wieder der Frühling auf den Winter folgt. Das Versprechen, auf das der (Glaubens-)Baum in dunklen Zeiten wartet. Gottes Versprechen: Es wird gut.

Der (Glaubens-)Baum, der durch Wind und Wetter geht, bleibt standhaft – mit starken Wurzeln. Ich zweifle nicht daran, dass an diesem Abend jeder von uns ein oder zwei Wurzeln unseres Glaubens neu entdeckt hat.

Nehmt sie mit nach Hause, tragt euren Glauben in euch weiter, bleibt standhaft und lasst euch nicht von Zweifeln überrennen.

Ein großes Dankeschön an dieser Stelle noch einmal an unsere Musiker, Pastor Schnitzler und natürlich Michael Geller von der Sequoiafarm, der uns im Winter 2015 bei unserem „Wunschpunsch“ begeistert ansprach, er hätte da eine Idee …

Stephanie Rennen

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Fest Mariä Aufnahme in den Himmel am 15.08.2016

Mitten in den Ferien – im Römischen Reich waren Mitte August die feria augusta, die Augustferien – feiert die Kirche am 15. August das Fest Mariä Aufnahme in den Himmel.

Ein österliches Fest, das nicht nur mit Maria zu tun hat, sondern ganz wesentlich mit uns. Maria steht an diesem Fest stellvertretend für jeden Menschen. Auch unser Leben, sagt dieses Fest, endet nicht im Tod, sonderrn wird aufgehoben in Gottes Nähe. Dass das Fest, an dem wir das bedenken und feiern, vom Urspruch her ein Ferientag ist, sagt uns, was diese Glaubensgewissheit für uns bedeuten soll: Komm zur Ruhe, entspann dich, sei gelassen, finde Freude am Leben. Denn Gott sorgt um dich und dein Leben.

Wir laden herzlich am Montag, 15.08.2016 um 19:00 Uhr zur heiligen Messe in St. Clemens Kaldenkirchen ein.
Der Kirchenchor singt von Mozart: kl. Orgelsolo.

Familienwegweiser des Kreises Viersen

Viersen_AUF_Layout_final_neu_05062014.inddInformieren Sie sich über Angebote und Unterstützung für Familien im Bereich der Frühen Hilfen, in Form eines Internetportals.

Zu den Frühen Hilfen zählen zum Beispiel Krabbel­gruppen, Mütter­treffs, Be­ratung zur Früh­för­derung, Eltern­kurse sowie Eltern-Kind-Turngruppen, Baby­schwimmen und Baby­ent­wicklungs­kurse etc.

Das Portal bietet Ihnen die Möglichkeit, gezielt nach der Unterstützung zu suchen, die für Sie wichtig ist!

Weitere Informationen finden Sie hier: www.familienwegweiser-kreisviersen.de

Elfter Rundbrief aus Bolivien

Elfter Rundbrief aus Bolivien

Tanta fe, tanto amor, tanta lucha – Patrozinium in San Juan

So viel Glaube, so viel Liebe so viel Kampf…

so könnte man meine Überschrift ungefähr ins Deutsche übersetzen und es geht dabei natürlich mal wieder um ein Fest, nämlich diesmal um den Johannistag, der ja gerade erst hinter uns liegt.

Wir hatten die Möglichkeit, dieses Fest nicht in San Ignacio, sondern in San Juan (St. Johannes) verbringen zu dürfen. San Juan liegt etwa 100 Kilometer von San Ignacio entfernt und gehört zu  San Miguel, und ist damit eine der Steyler Gemeinden hier.

In San Juan gab es deshalb natürlich nicht nur die normalen Feierlichkeiten, sondern es wurde überall noch eine Schippe drauf gelegt, um Johannes als Namenspatron des Dorfes auch gebührend zu feiern, aber mal von vorne:

Bolivien48Am Donnerstagmorgen machten Elli und ich uns auf den Weg nach San Miguel, wo wir von den Steyler Padres freundlich empfangen wurden. Nach kurzem Mitbringsel-für-zu-Hause-shoppen ging es dann mit Padre Alfonso auch sofort weiter. Natürlich stilecht bolivianisch im Geländewagen mit 8 Leuten bei 5 Sitzplätzen. Zumindest war das der Plan. Noch viel stilechter bolivianisch waren nämlich eine Stunde nach geplanter Abfahrtszeit genau 2 von 5 Leuten gekommen. Glück für uns, so hatten immerhin alle ihren Sitzplatz und keiner musste auf der Ladefläche mitfahren.

Nach 1,5 Stunden durch die bolivianische Natur, vorbei an Kühen und noch mehr Kühen, kamen wir endlich in San Juan an.

San Juan ist ein schon fast großes Dorf mit ungefähr 1000 Einwohnern, eigener Schule und recht großem Hauptplatz, an dessen Spitze, wie immer hier in der Chiquitanía, die Kirche liegt.

Gerade aus dem Auto ausgestiegen, wurden wir als Anhängsel vom Padre überschwänglich begrüßt und nach kurzer Pause direkt zum Mittagessen bestellt.

Da zur Feier des Tages natürlich frisch geschlachtet worden war und man ja nicht alle Tage den Padre im Haus hat, gab es natürlich Fleisch. Viel Fleisch.

Nach dem Mittagessen ging es dann direkt weiter in ein kleines und beschauliches Nachbardorf, wo wir uns gemeinsam die gerade neu errichtete Kirche anschauen konnten.

Bolivien49Wieder zurück in San Juan, war ein Teil der Feierlichkeiten schon in vollem Gange. Alle paar Stunden zieht nämlich der Cabildo (eine Art Stadtrat) mit traditioneller Musik zur Kreuzverehrung um die Plaza. Dieser Mini-Umzug endet dabei jedes Mal vor der Heiligenstatue vor der Kirche. Dort wird dann jedes Mal von einem anderen Mitglied ein Teil der Festansprache gelesen beziehungsweise gesungen. Diese Festansprachen sind natürlich auf Chiquitano, der Sprache, die in diesem Teil Boliviens vor dem Spanisch gesprochen wurde, die aber heute leider kaum noch einer der Einwohner richtig versteht, geschweige denn sprechen kann. Nach der Ansprache und einer weiteren Runde des Cabildos um die Plaza geht es dann auf eine kleine Erfrischung zu einem der Mitglieder – auch dabei wird sich natürlich abgewechselt.

Am Abend ging es dann mit den Feierlichkeiten richtig los. Alle hatten den ganzen Tag gearbeitet, sodass die Kirche nicht nur sauber, sondern auch mit vielen Tüchern und Luftballons geschmückt war. Vor der Kirche brannte schon das Holz (warum erfahrt ihr gleich noch), die Bühne für die Live-Band war aufgebaut und die Kinder, die in dieser Nacht getauft werden sollten, steckten in ihren schicksten weißen Kleidern und Anzügen.

Natürlich wurde gemeinsam mit einer Messe begonnen, die mit der Taufe der Kinder endete.

Danach ging es raus auf die Plaza. Bei bolivianisch-winterlichen Temperaturen wurde mit Live-Musik und viel Essen und Trinken gemeinsam auf den Beginn des neuen Tages und damit auf das eigentliche Fest des Patroziniums gewartet. Dazu wurden alle Bänke aus der Kirche getragen und um das mittlerweile nicht mehr allzu große Feuer gestellt, damit auch möglichst viele Leute Platz haben.

Bolivien50Einige Minuten vor 0:00 Uhr wurden dann so langsam alle nervös. Der Cabildo sperrte das Feuer ab und die ersten Schuhe wurden ausgezogen und Hosen hochgekrempelt – Alles Vorbereitungen für die Hauptattraktion dieses Festes: an San Juan wird nämlich über Feuer, beziehungsweise eher die Glut gelaufen. Mitmachen kann dabei jeder, der möchte und wer dabei genug Glaube, Liebe und Kampfgeist mitbringt, bleibt (zumindest der Theorie nach) von bösen Verbrennungen verschont.

Ein bisschen rationaler liegt es wohl hauptsächlich an der Beschaffenheit der Glut, ob problemloses drüber Laufen möglich ist.

Bolivien51In diesem Jahr hat der Cabildo aber zumindest in San Juan gute Arbeit geleistet, sodass pünktlich um 12 die ersten Wagemutigen über die Glut steigen konnten. Insgesamt trauten sich geschätzte 50 Personen, von denen sich (zumindest offensichtlich) kaum einer ernsthaft verbrannt hat. Im Blitzlichtgewitter des Feuerwerks, das natürlich auch zu Ehren des Patrons organisiert wurde, konnte man gespannt dabei zuschauen, wie Einer nach dem Anderen (manch Einer mehr, manch Einer weniger) gemütlich durch die Glut lief. Danach wurde bis spät in die Nacht getanzt.

Am nächsten Morgen ging es natürlich mit einer Messe weiter, an der (nach der langen Feier am Vorabend) erwartungsgemäß nicht mehr so viele Leute teilnahmen. Zuvor musste die Gemeinde aber wegen eines etwas späten Frühstücks des Padres und seiner Gäste (also uns) und einer noch nicht fertig frisierten Braut ein bisschen Geduld beweisen, was hier aber sowieso mehr Gewohnheit, als Besonderheit ist. Gerade wenn es um den Anfang der Messe geht.

Irgendwann hatten sich dann aber alle eingefunden und es konnte das Hochamt und die Trauung zweier Paare gefeiert werden. Danach gab es nochmal eine Prozession und natürlich eine weitere, lange Festansprache auf Chiquitano. Und nach allen offiziellen Feierlichkeiten wurde natürlich gegessen.

Zur Feier des Tages wurden dazu alle Bewohner und Gäste vom Cabildo eingeladen. Natürlich gab es in erster Linie Fleisch, dazu aber auch Reis und Kartoffeln.

Zuerst wurde das ganze Essen aber in riesigen Töpfen auf einen Geländewagen geladen und damit vor die Kirche gefahren, um es zu segnen.

Nach diesem und einem weiteren Mittagessen ging es dann für uns wieder Richtung San Ignacio, um hier abends mit den Mädchen und Jungs gemeinsam zu grillen und dann todmüde ins Bett zu fallen.

Bolivien52Hier in San Ignacio packt uns aber mittlerweile ein bisschen die Wehmut. So langsam aber sicher neigt sich unser Jahr hier dann doch dem Ende zu. Die Tage, bis die anderen Freiwilligen San Ignacio verlassen, lassen sich schon an einer Hand abzählen und so begehen wir schon jetzt die ein oder andere Abschiedsfeier.

Bis zu unserem Abschied bleibt uns hier aber zum Glück noch ein bisschen Zeit, die wir versuchen so gut wie möglich zu genießen.

Jetzt gibt es hier erstmal Winterferien und auch das Patrozinium von San Ignacio wartet noch auf uns.

Bis dahin, macht es gut, genießt den Sommer, wir sehen uns in ein paar Wochen,

Eure Julia

Fronleichnam 2016

Dieses Jahr begann die Fronleichnamsfeier mit einer gemeinsamen Messe in Leuth am Neyenhof. Mit den Schützen in ihren Uniformen, dem Pfarrorchester, den Kommunionkindern, den Messdienern in ihren Gewändern und dem mit Fahnen geschmückten Platz war es ein festlicher Anblick. Das Pfarrorchester begleitete die Lieder, während der Weihrauch in den sonnigen Himmel stieg.

Herr Pastor betonte in seiner Predigt, dass wir nicht “Gefahr” laufen, unsere “Kultur” zu verlieren, solange wir an Jesus glauben und so lieben, wie er es uns aufgetragen hat. “Wir müssen wieder frommer werden”, dann kann es auch keine Lücke geben, die durch falsche Werte aufgefüllt wird.

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Dann stellten sich alle auf, um in einer gemeinsamen Prozession durchs Feld nach Kaldenkirchen zu gehen. Die Statio bei Thelen war wie immer wunderschön vorbereitet, mit Blütenblättern, Ausschnitten aus den Kirchenfenstern und einem kleinen hölzernen Altar. Den ganzen Weg über wurde niemand des Betens und Singens müde. Nur einige Autofahrer wurden anscheinend des Wartens müde, als sie auf der Friedrichstr. in Kaldenkirchen aus der Schlange ausscherten und eine Kehrtwende machten, während die Prozession die Straße entlang lief.

Nach einem Segen in der Kirche gab es im Convent-Garten Essen und Trinken und alle waren eingeladen, noch ein Weilchen zu bleiben und gemeinsam zu feiern. Bei tollstem Wetter sagte da natürlich niemand gerne “nein”.

Das “Weilchen” wurde dann zu einer “Weile”, spätestens, als jemand “Hoch Kaldenkirchen” – und dann “Leuth am Niederrhein” – anstimmte, war es ein gelungenes Fronleichnamsfest!

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 Stephanie Rennen

Pfarren in der GdG Nettetal