Fünfter Rundbrief aus Bolivien

Fünfter Rundbrief aus Bolivien

¡Fiesta!

Elli und ich leben nun schon eine ganze Zeit hier in Bolivien. Eine Zeit, in der viel passiert ist und ganz besonders viel gefeiert wurde.

Wir haben hier jetzt schon einige Feste der Region und des Departamentos mitbekommen, aber auch Tanzfeste der verschiedenen Schulen und natürlich vor allem alle Feierlichkeiten des Fassivs im Monat der Menschen mit Behinderung Oktober.

Nach dem Tag der offenen Türe im Fassiv, hatten wir letzte Woche volles Programm: Montag war noch ein Feiertag (auf den ich gleich noch genauer eingehen werde), also schulfrei. Am Dienstag wurden dann die letzten Vorbereitungen für den folgenden Tag getroffen. Am Mittwoch erreichte nämlich zumindest der offizielle Teil der Feierlichkeiten seinen Höhepunkt. Alle Kurse hatten sich teilweise schon seit Wochen auf diesen Tag vorbereitet, fleißig gegrübelt, geschnibbelt und geklebt, um rechtzeitig ihre Kostüme für den kleinen Umzug fertig zu haben.

Bolivien15Am Mittwoch selber trafen sich dann alle Kurse deutlich früher als sonst, nämlich schon um 7:30, um der heißen Mittagssonne zu entgehen. Es wurden eifrig alle Kostüme angelegt und es dauerte nicht lange, bis eine kleine Militärkapelle das ganze Treiben im Fassiv musikalisch untermalte. Typisch bolivianisch dauerte es hingegen doch länger als eigentlich geplant, bis alle Schüler und Lehrer anwesend und fertig waren. In der Zwischenzeit blieb dann allen ein bisschen Zeit, die Kostüme der anderen zu begutachten. Unser Kurs war als Marienkäfer verkleidet, mit glitzernden Flügeln und flauschigen Fühlern. Außer uns gab es aber zum Beispiel auch fleißige Bienchen aus der Physiotherapie, Köche, Krankenschwestern, Minions, Mickey und Minnie Maus, und und und…

Gemeinsam (und natürlich mit der Kapelle) zogen wir dann zur Plaza. Spätestens da war ich dann doch ziemlich dankbar dafür, dass diese Veranstaltung am Morgen stattfand. In langen und schwarzen Klamotten, war es nämlich auch vor 9 Uhr schon ganz schön warm. An der Plaza angekommen, wurden gemeinsam noch einige Runden gedreht, bis es in die Mitte des Platzes ging. Dort steht ein kleiner Pavillon, der an diesem Tag natürlich auch Fassiv-gerecht geschmückt war. Hier hielten dann verschiedene Personen, wie zum Beispiel die Leitungen des Fassivs, eine Mutter und verschiedene Stellvertreter von Stadt und Departemento kleine Reden oder Ansprachen, in denen meistens die besondere Arbeit des Fassivs im Allgemeinen und der Profen im Besonderen gelobt wurde. Zwischendurch gab es immer wieder kleine Safttüten, Muffins oder Lutscher für alle Kinder (und natürlich auch für uns) und selbstverständlich auch Musik. Es spielte nämlich nicht nur die Militärkapelle, sondern  auch das Fassiv-eigene Orchester ließ es sich nicht nehmen, ein, zwei Stücke zum Besten zu geben. Dazu wurde selbstverständlich auch ein wenig getanzt, um das ganze Fest ausklingen zu lassen.

Bolivien16Am nächsten Tag folgte dann der eigentliche Höhepunkt für die meisten Kinder, es ging nämlich ins Schwimmbad. Mit jeder Menge wichtigen Utensilien für einen Tag im Freibad, wie Radios, Gartenstühlen und Gartentischen, jeder Menge Soda und einigen kleinen Snacks im Gepäck, trafen sich alle Kinder, teilweise mit ihren Eltern, schon früh am Morgen vor dem Schwimmbad. Dass das Schwimmbad erst circa 1 ½ Stunden später öffnete, war entweder ziemlich bewusst geplant, damit dann auch wirklich alle da sind, oder einfach nicht bedacht-  das lässt sich manchmal einfach nicht so genau beurteilen.

Als die Tore ins kühle Nass sich dann endlich öffneten, strömte natürlich auch Groß und Klein direkt nach drinnen, um sich einen schönen Platz zu suchen. Da hier in Bolivien alle mit Kleidung schwimmen gehen und sich nachher entweder einfach trocknen lassen, oder einen Satz Ersatzklamotten dabei haben, entfällt natürlich das lästige aus- und umziehen und es dauerte auch nicht lange, bis die ersten Wasserratten sich abkühlten.

Nachdem Elli und ich ein bisschen Morgensonne getankt hatten, ging es natürlich auch für uns beide ins Wasser und ich muss sagen, das Baden mit Klamotten hat mich ein bisschen an meine Grundschulzeit erinnert, in der es einmal im Jahr ein Schlafanzugschwimmen gab. Auch wenn das alles ein bisschen gewöhnungsbedürftig ist und bestimmt auch nicht zum zielstrebigen Bahnenziehen geeignet, macht es doch riesig Spaß, mit den Kids einfach in Klamotten ins Becken zu springen und gemeinsam zu toben. Es war einfach ein wunderschönes Gefühl, so viele Kinder gleichzeitig über beide Ohren strahlen zu sehen, nur weil man mal einen Tag im Schwimmbad verbrachte – es muss eben doch nicht immer der Freizeitpark sein, um einen schönen Wandertag zu haben.

Bolivien17Neben den Festen im Fassiv gab es in der letzten Zeit hier in San Ignacio auch einige Feiertage, wie zum Beispiel den „Dia de la tradicion“. An diesem Tag feiern die Chiquitanos, das sind die Menschen hier in unserer Region, der Chiquitanía, ihre alte Tradition. Wie bei fast jedem Feiertag haben die Schüler keinen Unterricht, sondern sind in die Feierlichkeiten mit eingebunden.

Bolivien18Zur Feier dieses Tages gab es morgens eine Art Wettbewerb auf der Plaza, an denen verschiedene Institutionen, wie beispielsweise die Schulen, aber auch das Fassiv oder Nachbarschaften teilnahmen, und bei dem es darum ging, die beste traditionelle Darbietung zu gestalten. In erster Linie hieß das – wie eigentlich immer – Musik und Tanz. Nacheinander kamen die verschiedenen Gruppen auf der Plaza an, wo sie vor einer Jury und jeder Menge Publikum auftraten. Natürlich wurden für die verschiedenen Tänze keine Mühen gescheut und viele Gruppen traten mit einer Königin auf, die auf einem von Eseln oder Ochsen gezogenen und geschmückten Wagen stand und als Teil der Gruppe mit vor die Jury trat.

Bolivien19Die eigentliche Attraktion des Morgens waren aber die Tänze. Alle Mädels und Jungs, Frauen und Männer, die sich an den Tänzen beteiligten, hatten sich rausgeputzt und trugen die typischen weißen Kleider, die übrigens Tipoy heißen, beziehungsweise weißes Hemd und weiße Hose. So tanzen die Gruppen dann sogenannte Chovenas, das sind Volkstänze, die immer auf denselben mitreißenden Rhythmus aufbauen und bei denen es einem echt schwer fällt, selber noch die Füße still zu halten.

Danach zog es alle noch zu einem Platz, mehr als einen Kilometer außerhalb der Stadt. Der Weg bis dahin, den ausnahmsweise mal wirklich fast alle zu Fuß gingen – Bolivianer sind nämlich sonst eher gehfaul – war natürlich auch von zahlreichen Musikgruppen geprägt, die ihre Chovenas in die Menge schmetterten. Leider blieb uns an unserem Ziel dann keine Zeit mehr, uns umzuschauen, das Mittagessen für alle kocht sich ja schließlich auch nicht von alleine, aber ich glaube, ich kann mit Überzeugung sagen, dass schon der Weg alleine ein kleines Spektakel für sich war.

Die Tipoys, die hier fast jeder besitzt, werden aber natürlich nicht nur zu Feiertagen ausgepackt, sondern immer, wenn sich die Gelegenheit ergibt, zu tanzen. Und wenn es gerade keinen Feiertag gibt, gibt es ja auch noch die zahlreichen Tanzfeste. Seit meinem letzten Rundbrief gab es davon gleich zwei, die von zwei verschiedenen Schulen organisiert worden sind.

Es gab in einer Woche das „Festival de Danzas Internacionales“ mit Tänzen aus aller Welt und in der darauf folgenden Woche das „Festival de Danzas „Bolivia lo nuestro““ mit traditionell bolivianischen Tänzen, aus den verschiedenen Regionen.

Beim ersten Festival, das von einer deutschen Schule organisiert wurde, war alles, was das Tänzerherz begehrt dabei: Das Repertoire reichte von Chovenas, über Wiener Walzer, bis zum Rock’n’Roll.

Bolivien20Das zweite Festival konzentrierte sich da mehr auf die Kultur Boliviens und war dementsprechend viel spannender und interessanter für uns. Hinzu kam, dass dieses Festival vom Colegio Lotte Salzgeber, auch Granca Hogar genannt, organisiert wurde. Das ist das Gymnasium, das alle Mädels und Jungs aus unseren Casas besuchen.

In dieses Spektakel waren natürlich auch fast alle Schüler mit eingebunden. Schon Stunden vorher wurde noch ein wenig geprobt, die letzten Kostüme wurden fertig gebastelt und zusammengesucht und das Make-Up und die Frisuren perfektioniert, damit der eigene Tanz auch wirklich perfekt wird. Kurz vor Beginn machte sich dann auch so langsam Aufregung breit, aber das gehört ja schließlich auch dazu.

Bolivien21Alle Mädels und Jungs aus unseren Casas haben sich dabei auf jeden Fall super geschlagen und ich für meinen Teil verstehe jetzt glaube ich ein bisschen mehr, wie Eltern sich fühlen, wenn sie ihre Kinder auf einer großen Bühne stehen sehen, irgendwie sind die ganzen Mädels nämlich inzwischen wirklich zu kleinen Schwestern für mich geworden, auf die man auch ganz schön stolz sein kann.

Sooooo, das war schon wieder ganz schön viel zu berichten. Die nächste Zeit wird wieder etwas ruhiger, es geht nämlich jetzt für die Mädels und Jungs mit riesengroßen Schritten auf die großen Sommerferien zu, das heißt für eine von den Mädels Abschlussexamen schreiben, aber auch für alle anderen nochmal für die letzten Examen pauken. Elli und ich genießen in der Zeit die letzten Wochen, bevor die Casa dann für einige Zeit so gut wie leer ist und die viele Sonne, hier wird es nämlich so langsam auch immer heißer.

Ganz liebe und vor allem sonnige Grüße aus der Casa Guadalupe im wunderschönen Bolivien ins herbstliche Deutschland y besos,

Eure Julia

Rückblick Kinderdisko Halloween 2015

Mit mehr als 150 Kindern war der Convent-Keller am Freitagabend, dem 30.10.2015, gut gefüllt mit bunt verkleideten Kindern. Einige kamen zum ersten Mal, andere gehörten bereits zu den “Stammgästen”.

Und auch im Orga-Team waren einige zum ersten Mal dabei – mit ca. 15 Leitern von 14 bis 22 Jahren sind wir zu einem großen Team zusammengewachsen.

Sonst lief aber alles nach Plan: gemeinsam spielten wir Spiele wie Limbo und tanzten gemeinsam zum “Fliegerlied”. Und zum Schluss wie immer das Highlight: der Tanz- und Kostümwettbewerb, bei dem die Kinder in Gruppen oder alleine auftreten können (und man überall kleine Akrobaten ihre Kunststücke üben sieht). Am Ende gibt es dann für den Sieger einen kleinen Preis!

Zur besseren Organisation bekam jedes Kind eine Zahl auf die Hand gemalt. So wussten wir, wie viele Kinder da waren, konnten die Kinder durch die Zahlen identifizieren und den Sieger beim Wettbewerb ermitteln. Für die Eltern gab es eine Liste, um dort die Telefonnumer des Kindes einzutragen, und einen kleinen Zettel mit dem Link zu unserer Homepage, um sich später die Fotos anschauen zu können.

Nach drei Stunden Kinderdisko kam dann für uns der “gemütliche Teil”. Beinahe routinemäßig war die Pizza bestellt und die Musik aufgedreht. Dann war es Zeit für unsere “kleinen” Leiter, sich im Keller so richtig auszutoben und die Energie, die bis dahin noch nicht verbraucht war, spätestens jetzt loszuwerden. Die “alten Hasen” gingen das Ganze doch irgendwie gemütlicher an, aber als dann “Wolle Petry” und “Brings” mit Polka, Polka, Polka kamen, war keiner mehr zu halten.

Als dann die Pizza kam, saßen wir alle im Kreis und nach einer kurzen Lagebesprechung wurde sich tanzend der Besen geschnappt und der Keller wieder sauber gemacht.

Mitten in der Nacht fielen wir (ich glaube, ich kann für alle sprechen) hundemüde ins Bett nach einer tollen Kinderdisko!

Stephanie Rennen

1. Herbstputz im Convent am 24.10.2015

Nach etwas mehr als einem halben Jahr hatte sich wieder genügend Staub und Dreck angesammelt, um zu einer erneuten Putzaktion im Convent zu rufen. Dieses Mal standen vor allem die Entrümpelung sämtlicher Räume, insbesondere des Kellers und des Dachbodens, sowie die Reinigung aller Jalousien und Fenster auf dem Plan.

Ca. 30 Hilfsbereite waren der Einladung des Arbeitskreises Convent gefolgt und rückten am 24.10.2015 um 10:00 Uhr morgens mit Eimern, Schwämmen und Hochdruckreinigern an, um dem Dreck im Convent an den Kragen zu gehen. Der hatte dann auch kaum eine Chance, denn schon bald spritzte von außen das Wasser gegen die Jalousien und Stück für Stück wurde es im Convent wieder hell, nachdem die Jalousien sauber und auch die Fenster wieder blitzblank geputzt waren. Was für einen Unterschied es macht, wenn der Dreck vieler Jahre und Jahrzehnte auf einmal im Putzeimer schwimmt und sich endlich nicht mehr im Haus breit macht!

Gleichzeitig kümmerte sich ein Entrümpelungs-Kommando unter Anleitung von Bernhard Müller um den Keller und entsorgte alte Pappen, Gläser, Matten, Kabel, Stoffe und was es sonst noch an Kuriositäten im Keller zu finden gab … Es sei nur so viel gesagt: Der Container vor dem Haus füllte sich in Windeseile. Deshalb mussten auch die großen Pappkartons zerkleinert werden. Wie man das gemacht hat? Ganz einfach – einfach darauf gesprungen und schon krachte der Karton entzwei! So machte das Arbeiten sogar Spaß!

Ein zweites Entrümpelungs-Kommando rund um Bernd Schiffer kümmerte sich um die Schuppen im Convent-Garten und auch hier landeten ca. vier Fünftel der gesammelten „Werke“ im Container. Jetzt erst wurde einem bewusst, wie viel Platz (!) wir in unserem schönen Convent haben, der jetzt auch endlich wieder sinnvoll genutzt werden kann. Die Pfadfinder kletterten aufs Dach und füllten Eimer um Eimer mit heruntergefallenem Laub, das die Dachrinnen verstopfte.

Die Gesamtorganisation hatte auch dieses Mal wieder der Arbeitskreis Convent übernommen, allen voran Johannes Deutges, der die Terminfindung vorangetrieben und einen Plan mit den zu erledigenden Arbeiten erstellt hatte. So konnte an dem Tag selbst sofort mit der Arbeit begonnen werden, ohne noch groß Pläne schmieden zu müssen. Wie von selbst bildeten sich kleine Arbeitsgruppen und im Kreis von Freunden und Bekannten war keine Arbeit zu schwierig.

Belohnt wurden die Mühen mit einem gemeinsamen Imbiss bei Brötchen und Würstchen, bei dem sich lebhaft über die bereits getane Arbeit ausgetauscht wurde – und einige der Anwesenden richteten ihren Blick bereits auf das, was da noch kommen möge: neuer Dreck!

Nur, wenn wir gemeinsam anpacken und uns auch in Zukunft um den Convent kümmern, kann uns das Haus erhalten bleiben!

Nächstes Jahr gibt es dann wieder einen Frühjahrsputz im März oder April – der genaue Termin wird vom Arbeitskreis Convent im neuen Jahr bekannt gegeben.

Ein riesengroßes Dankeschön an alle Helfer, die es mir verzeihen mögen, dass ich nicht jeden beim Namen nennen kann! Aber wer dabei war, der fühle sich angesprochen: Mir hat unsere Gemeinschaft sehr gefallen! Denn eines ist ja wohl offensichtlich: Wenn viele kleine Leute an vielen kleinen Orten viele kleine Dinge tun, können sie das Gesicht der Welt verändern!

Und damit man uns auch glaubt, was an diesem Tag geschafft wurde, ist natürlich für das nötige Beweismaterial gesorgt: Viel Spaß beim Anschauen der Fotos!

 Stephanie Rennen

Vierter Rundbrief aus Bolivien

Vierter Rundbrief aus Bolivien

Meine Arbeit im FASSIV – El centro educativo especial

Unter der Woche verbringen Elli und ich unsere Nachmittage im Fassiv. Das Fassiv ist die „Fundación de Ayuda Social San Ignacio de Velasco“, also die Einrichtung für soziale Hilfe in unserem Heimatort San Ignacio.

Bolivien9Diese Einrichtung wendet sich besonders an Menschen (vor allem Kinder und Jugendliche) mit Behinderung und deren Familien. Das Fassiv vereint auf seinem Gelände die verschiedensten Angebote und Möglichkeiten: Neben der Leitung vor Ort gibt es eine Physiotherapie, verschiedene Schulklassen mit verschiedenen Schwerpunkten, eine Schulkrankenschwester,  die Kleinigkeiten wie Stiche oder Kopfweh behandelt und die Gesundheit der Fassiv-Kinder ein wenig im Blick hat, eine kleine Küche, die jeden Mittag einen kleinen Snack für die Schüler zubereitet, verschiedene Werkstätten, in denen die älteren Jugendlichen und teilweise Erwachsene arbeiten können, ein Orchester und einen Chor, in denen Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderung gemeinsam musizieren und Instrumente erlernen können, eine kleine Wohnung in der eine Familie wohnt und natürlich jede Menge Platz zum Spielen und Toben. Es ist also an alles, was gebraucht wird, irgendwie gedacht.

Ich verbringe meine Zeit an den Nachmittagen in der Klasse von Profesora Marcia Rodríguez, also in der Schule des Fassivs. Der Unterricht hier ist aber nicht nur auf das reine Lernen von Lesen und Schreiben oder Ähnlichem ausgelegt, sondern versucht die Kinder und Jugendlichen da abzuholen, wo sie in ihrer Entwicklung stehen. Auch wird viel Wert auf praktisches Arbeiten gelegt, besonders, wenn es um Herausforderungen geht, die die Kinder im Alltag meistern müssen. Das Wohlbefinden und die Gesundheit und Hygiene des eigenen Körpers spielen dabei zum Beispiel auch eine Rolle. Natürlich ist das etwas, was besonders vom Elternhaus der Kinder geprägt wird. Trotzdem achtet Profesora Marcia bei ihren Schützlingen auch ganz besonders darauf.

Um 14:00 beginnt hier dann jeden Tag recht pünktlich der Unterricht damit, dass erstmal alle auf dem Gelände zusammengesucht werden müssen, eine richtige und laute Schulglocke, wie bei uns in den Schulen, gibt es nämlich nicht. Zum Glück sind die Kurse relativ klein, sodass es meistens nicht allzu lange dauert, bis alle endlich im Raum sind.

Die Klassen sind hier, anders als bei uns, nicht nach Alter oder Jahrgangsstufe eingeteilt, sondern nach der Art der Behinderung, um eine bessere Förderung zu ermöglichen. Das Fassiv insgesamt betreut nämlich Personen mit intellektuellen, visuellen, auditiven und multiplen Behinderungen.

Bolivien10In unserer Klasse, dem Curso 2.1.A  sind 5 Mädchen und 2 Jungs im Alter von 8-18, die gemeinsam lernen und spielen. Der Unterricht hier sieht natürlich auch ganz anders aus, als der, in unseren Grundschulen. Oft beginnt Marcia den diesen mit einem Lied über Wochentage und Wetter, an dessen Ende die richtigen Tafeln für beides gefunden werden müssen und im Klassenraum aufgehängt werden. Ändert sich das Wetter im Laufe des Unterrichts, wird natürlich auch sofort die Tafel geändert.

Da jedes Kind in unserer Klasse eine spezielle Förderung braucht, findet die richtig intensive Arbeitszeit für die Kinder meistens in Phasen des Einzelunterrichtes statt. Das sieht dann so aus, dass Marcia sich mit einem Kind alleine an einen Tisch setzt und arbeitet und die Anderen sich in der Zeit zum Beispiel mit Malen oder einem Puzzle beschäftigen. Ich sitze in der Zeit dann normalerweise bei den Kindern und helfe, oder spiele einfach mit. Hier habe ich auch schon diverse Lieder und Klatschspiele gelernt, die mich dann oft in meinem Kopf noch bis zum späten Abend verfolgen.

In den letzten Wochen haben wir, neben dem normalen Malen und Spielen, viel Zeit mit den vier Farben Rot, Gelb, Grün und Blau verbracht. Immer wieder wurde in diesen vier Farben ausgemalt und es wurden Plakate für jede Farbe gebastelt, auf die verschiedene Dinge in der passenden Farbe gemalt wurden und die im Klassenraum aufgehängt wurden.

Bolivien11Besonders zeitintensiv war das Farbsalz, das wir mit Lebensmittelfarbe selber in die vier Farben gefärbt haben. Viele Nachmittage haben wir damit verbracht, die Farben unter das Salz zu rühren, es zum Trocknen in die Sonne zu stellen, erneut zu färben, damit die Farben auch intensiv werden und es schlussendlich in Schichten in verschiedene Flaschen und Gefäße zu füllen. Besonders das Färben und matschen mit dem Salz hat den Kindern natürlich besonders gefallen. Richtig super war es aber immer erst, wenn nach einer Stunde nicht nur das Salz eine andere Farbe hatte, sondern im besten Falle auch der Tisch, die Hände und das halbe Gesicht, dann sind die begeisterten Rufe kaum noch zu bremsen.

Die Flaschen und Gefäße wurden aber natürlich auch nicht ganz ohne Hintergedanken gebastelt. Der Oktober ist in Bolivien nämlich der „Mes de la Discapacidad“ also der Monat der Behinderung. In dieser Zeit finden, natürlich besonders im Fassiv, viele verschiedene Feste und Ausflüge statt. In der vergangenen Woche gab es gleich zwei davon.

Am Donnerstag kamen deshalb alle Kinder mit ihren Familien und es wurde eine Art Schulfest gefeiert. In jedem Kurs bzw. jeder Werkstatt wurde die Arbeit der letzten Wochen vorgestellt und präsentiert. Bei uns waren das natürlich die vier Farben.

Bolivien12Dazu haben Marcia, ich und ein paar fleißige Mütter den Kursraum zuvor mit bunten Luftballons geschmückt. So entstand in unserem Klassenzimmer eine blaue, eine grüne, eine gelbe und eine rote Ecke. Zu jeder Farbe gab es auch eine Kleinigkeit zu essen oder zu trinken. Es gab blaue Zungenfärber-Lutscher, gelben Maracujasaft und roten und grünen Wackelpudding, der im bolivianischen Stil aus Plastiktüten gelutscht wird.

Marcia stellte dann einigen anderen Lehrern und Eltern unsere Arbeit der letzten Wochen vor. Zum Abschluss gab es natürlich Saft, Lutscher und Pudding für Alle und auch noch ein kleines Glas mit dem gefärbten Salz, als kleines Andenken.

Als Höhepunkt des Tages gab es dann die Mini-Olympiade, bei der die Kinder in verschiedenen kleinen Disziplinen antraten. Einen kleinen Preis, nämlich ein Pil-Frut (das ist ein Saft, der in kleine Plastiktüten abgefüllt ist und aus diesen getrunken wird) gab es dann am Ende für Jeden.

Am nächsten Tag ging es dann direkt mit der nächsten Besonderheit weiter, denn die Kinder blieben zu Hause und nur die Eltern kamen zur Schule. Es war nämlich der Begegnungstag zwischen Lehrern und Eltern.

Eröffnet wurde der jedoch mit einer kleinen weiteren Feier, nämlich dem nachträglichen Geburtstag, beziehungsweise der Ankunft von Pater Michael Heinz, der verantwortliche Steyler in Bolivien.

Bolivien13Nachdem dieser gebührend mit einem kleinen Konzert des Orchesters und einer Torte begrüßt wurde, gingen dann die Spiele der Eltern gegen die Lehrer los. In Disziplinen wie Schubkarrenrennen, Apfel-Wettessen, Sackhüpfen oder Bonbon mit dem Mund aus dem Mehl fischen mussten sich die Lehrer mit verschiedenen Eltern messen. Wie jedes Jahr – mir hat man zumindest erzählt, dass es jedes Jahr so sei- gewannen die Eltern und zur Strafe mussten alle Lehrer einmal durch den Sand des Fußballplatzes rollen.

Bolivien14In der nächsten Woche stehen uns dann auch schon die nächsten Veranstaltungen bevor. In der Mitte der Woche wird es nämlich ein Fest des Fassivs zur Feier des Mes de la Discapacidad auf dem großen Platz in der Stadtmitte geben. Dazu haben wir in den letzten Wochen schon fleißig Kostüme gebastelt- unser Kurs geht nämlich als Marienkäfer.

Am nächsten Tag gibt es dann einen Ausflug mit allen ins Schwimmbad, worauf die Kinder schon seit Tagen hinfiebern.

Von den Ausflügen und anderen Festen, die wir schon erlebt haben, oder die uns noch bevorstehen, werde ich dann in meinem nächsten Rundbrief berichten…

Bis dahin, liebe Grüße und besos de Bolivia,

Eure Julia

Eucharistische Anbetung am 14.10.2015

Einladung zur Andacht mit eucharistischem Segen
– anlässlich der Gedenktage der heiligen Schwester Faustina und des heiligen Johannes Paul II.

Im Monat Oktober erinnern wir uns besonders an die beiden Heiligen, die wir auch als Zeugen der Barmherzigkeit verehren dürfen.
Der Gedenktag der hl. Faustina ist der 5. Oktober.
Der 22. Oktober ist der Gedenktag des hl. Johannes Paul II., dessen Leben ganz im Zeichen der Barmherzigkeit stand.
Wir wollen im Hinblick auf das Jubiläum der Barmherzigkeit, das wir am 8. Dezember 2015 begehen, die beiden Heiligen um ihre Fürsprache bitten.

Papst Franziskus ermuntert uns in der Bulle Misericordiae vultu, mit der er für 2016 ein Jubiläumsjahr der Barmherzigkeit ausgerufen hat, uns an die große Apostolin der Barmherzigkeit zu erinnern.

Er ruft sie an als unsere Fürsprecherin, die uns die Gnade erwirken kann „stets in der Vergebung Gottes und in dem unverbrüchlichen Vertrauen auf seine Liebe zu leben und wandeln“.
Außerdem schreibt er:

„Die Vergebung ist eine Kraft, die zu neuem Leben auferstehen lässt und die Mut schenkt, um hoffnungsvoll in die Zukunft zu blicken“.

Wir laden Sie herzlich zur eucharistischen Anbetung und Segen am Mittwoch, dem 14. Oktober 2015, im Anschluss an die hl. Messe um 19:00 Uhr ein.

“Denn, wer da hingibt, der empfängt,
wer sich selbst vergisst, der findet,
wer verzeiht, dem wird verziehen,
und wer da stirbt, der erwacht zum ewigen Leben.”

Franz von Assisi

Pilgerbericht zur Kevelaer-Wallfahrt 2015

Am 29.08.2015 war es wieder soweit. Die Kevelaerpilger trafen sich um 4:30 Uhr in St. Clemens zur Aussegnung. Pastor Schnitzler und Pilgerleiter Roland Tohang sprachen ein paar Worte und dann ging es auch schon los. Wir gingen unseren Weg nach Kevelaer. Nach einer Frühstücks-Pause in Brockhuysen ging es weiter nach Straelen, wo wir eine Statio machten.

IMG_5216Nach noch einer Pause in Walbeck und einem Gruppenfoto gingen wir ohne weitere Vorkommnisse weiter nach Klinkenberg, wo uns schon die Radpilger mit einem kühlen Getränk empfingen. Pastor Schnitzler und seine Messdiener waren schon dort. Wir tranken etwas und setzten, nun als Gemeinde mit Pastor und Messdienern, unseren Weg fort.

Nach und nach kamen immer mehr Menschen aus unserer Gemeinde St. Clemens hinzu. Die letzten hundert Meter zogen wir wie jedes Jahr singend und voller Freude in Kevelaer ein. Wir gingen direkt zur Kerzenkapelle, in die wir auch unverzüglich mit allen Pilgern einzogen. Danach hatten wir ein leckeres Mittagessen und konnten den Kreuzweg pünktlich gehen. Die darauffolgende Messe war wie immer wunderschön und wurde auch von unserem Kirchenchor begleitet.

Abends in Kevelaer blieben unfassbare 25 Pilger zu einem gemütlichen Beisammensein und schönen Abendstunden hier.

IMG_5239Am Sonntag, dem 30.08.2015, ging es wie gewohnt mit den Schaagern um 7:30 Uhr nach dem Auszugssegen Richtung Kaldenkirchen. In Walbeck trennten wir uns dann. Die Schaager zogen weiter Richtung Straelen und wir machten Pause in Walbeck. Hier machten wir wie am Vortag auch ein Gruppenfoto. In Straelen nahmen wir unser Mittagessen ein und pilgerten weiter bis nach Herongen. Hier konnten wir leider nicht in unserer üblichen Gaststätte einkehren, da diese leider schließen musste. Also machten wir hundert Meter vor der alten Gaststätte in einer anderen Gaststätte Halt.

Als wir weiter liefen, zogen auch die Heronger Schützen durch die Straßen. Pilgerleiter Roland fand, dass wir uns lieber die tolle Blasmusik anhören sollten und wir nahmen unsere Gebete erst nach Herongen wieder auf.

DPP_0001Nun liefen wir unvermindert weiter bis nach Kaldenkirchen zu den „Steylern“, die uns wie jedes Jahr herzlich mit Kaffee, leckeren Pflaumenkuchen und Kaltgetränken empfangen. Nachdem wir den Kranz auf dem Kreuz durch einen neuen ausgetauscht hatten, zogen wir mit Pastor und Messdienern und vielen Zuschauern in die Pfarrkirche ein. Nach dem kurzen Abschlusssegen trafen sich alle unter dem Kirchturm und wir sangen aus voller Kehle unser Heimatlied „Hoch Kaldenkirchen“ .

Es war, wie immer, eine absolut tolle Wallfahrt!

Vielleicht überlegen sich ja auch ein paar Andere dieses Erlebnis nächste Jahr mit uns zu teilen und wollen auch mal mit nach Kevelaer gehen. Vor allem die Kinder auf unserer Wallfahrt werden von Jahr zu Jahr weniger.

Ein herzliches Dankeschön gilt der Familie Dinter und der Familie Steffens, die uns ihren Bus zur Verfügung gestellt haben und den beiden Fahrern Matthias Stapper und Johannes Deutges.

Zum Schluss gilt unser Dank all denen, die diese Tour mit gestaltet und unterstützt haben, allen voran unserem Pilgerleiter Roland Tohang.

Jubiläums-Trierwallfahrt 2015 – 5. Tag

Trier – Kaldenkirchen (225 km Busfahrt)

Der letzte Tag unserer gemeinsamen Pilgertour begann mit einem ausgiebigen Frühstück im Matthiassaal.

Anschließend wurde, wie in den Tagen zuvor und geübt, das Quartier geräumt und die Busse beladen.

Pilgerpfarrer Bruder Athanasius verabschiedete uns mit dem Pilgersegen und den besten Wünschen auf ein Wiedersehen im nächsten Jahr.

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Mit dem von Benny gelenktem Reisebus, sowie unseren zwei Begleitfahrzeugen, ging es nun also zurück Richtung Heimat.

Am Mittwochabend endete unsere Wallfahrt mit der Abendmesse in St. Clemens und dem anschließenden, gemeinsamen Abendessen der Fußpilger.

An dieser Stelle möchten wir uns ganz herzlich bei allen bedanken, die zum Gelingen der diesjährigen Trierwallfahrt beigetragen haben.

Vielen, lieben Dank verbunden mit der herzlichen Einladung zur Trierwallfahrt 2016, vom 08. bis zum 13. Oktober.

 

Jubiläums-Trierwallfahrt 2015 – 4. Tag

Binsfeld – Trier (34 km)

Auch am letzten Pilgertag war der Wecker auf 5:30 Uhr gestellt.

Nach dem Geburtstagsfrühstück zu Ehren Thomas und Martin, ging es um 7:00 Uhr auf die letzte Tagesetappe zum Grab des hl. Apostels Matthias nach Trier.

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Die Frühstückspause mit den Begleitfahrzeugen am Parkplatz Zemmer wurde, wie in den Jahren zuvor, mit einem Ü-Ei für alle bereichert.

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Mit vollem Regenschutz ging es nun über Quint, Ehrang und Biewer zum Weißhaus hoch über Trier.

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Erinnerungsfotos mit “Löwen” wurden geschossen, bevor es auf die letzten Kilometer entlang der Mosel ging.

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Pünktlich um 17:00 Uhr erreichten wir unser Ziel St. Matthias in Trier.

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Im Innenhof der Abtei wurden die Fußpilger von einer großen Pilgergruppe aus unserer Gemeinde empfangen, die sich mit dem Bus oder privaten PKW auf den Weg nach Trier gemacht hatte.

Vielen lieben Dank nochmals für den tollen Empfang!!!

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Nach dem gemeinsamen Einzug in St. Matthias, der Ehrung der 6 Neupilger sowie der Jubilarin Uschi Spitzkowsky für ihre 25. Trierwallfahrt mit St. Clemens Kaldenkirchen, feierte Herr Pastor Schnitzler mit allen Pilgern die heilige Messe in der Krypta.

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Anschließend trafen sich alle Pilger im Matthiassaal zu einer warmen Suppe bevor sich Bus- und PKW Pilger wieder auf den Heimweg machten.

Für die Fußpilger hieß es Quartier beziehen und Körperpflege.

Nach einem gemütliches Beisammensein ging es gegen Mitternacht in die Schlafsäcke.

Jubiläums-Trierwallfahrt 2015 – 3. Tag

Mehren – Binsfeld (36 km)

Die kurze Nacht war bereits um 5:30 Uhr beendet. Denn dann hieß es schnell packen und die Turnhalle aufräumen, da sie für den Schulsport bereits um 8 Uhr (Bundesland Rheinland-Pfalz) benötigt wurde.

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Eine wunderschöne Strecke führte uns am früheren Quartier im weltberühmten Glockendorf Brockscheid vorbei und wir trafen pünktlich an unserer ersten Pause in Manderscheid ein.

 

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Nun hieß unser Ziel : Kloster Himmerod. Nach kurzem Besuch der Abteikirche, einer ausgiebigen Mittagspause (45 Minuten) und einer Statio ging es beschwerlich bergan.

Durch ein holziges Waldgebiet führte uns der Weg zum Kapellchen in Niederkail. Wie üblich erwartete uns Wilfried mit Kaffee, Kakao und Süßigkeiten.

Über freies Feld am Flughafen Spangdahlem vorbei, kamen wir müde, aber glücklich in unserem Quartier in Binsfeld an.

Gulasch und Knödel standen heute auf der Speisekarte.

Pfarren in der GdG Nettetal